Brot, Sex und Spiele für den Pöbel

Jetzt ziehen sie also auch eine der ganz wenigen NUR schönen und NUR liebenswerten Ikonen der deutschen Trivialkultur in den Dreck. Sie können nicht anders.

Schreibt die WELT:
Fans der alten „Sissi“-Trilogie müssen tapfer sein. In der Hochzeitsnacht ziehen sich die Kaiserin von Österreich und ihr Franzl in ihr Gemach zurück, ihre Mütter nehmen im Vorzimmer Platz. Das ist so üblich, oder, um im Jargon zu bleiben, das ist Etikett'.

Doch die Frischvermählten fühlen sich nicht wohl dabei. Also fassen sie sich bei der Hand, verlassen – zum Entsetzen der Muttis – das Zimmer, treten in den Garten. Und lieben sich unter freiem Himmel. Wilder Sex im Schlosspark – toll trieben es die alten Habsburger.
Wie ungemein unkonventionell!

Geht das denn zumindest mit verbesserter historischer Information einher? Kaum. Aber "emanzipiert" musste schon sein. Tatsächlich war Elisabeth, wie so viele Bulimikerinnen, eine rücksichtslose Egomanin, die nur für ihre Schönheit lebte und froh war, als eine Andere ihr endlich die lästigen ehelichen Pflichten abnahm, die hätten nämlich ihre Frisur durcheinandergebracht. Aber "emanzipiert" kommt eben auch bei der letzten Dorftusse, die gerne eine Prinzessin wäre, immer gut an. Erinnert sich noch jemand an die grässliche, und auch ungemein "emanzipierte", Königin der Herzen? Mindestens 75% ihrer Popularität war der Tatsache zu verdanken, dass die "Frau mit Herz"-Leserinnen eine schamlose nicht von einer emanzipierten Frau unterscheiden kann. Und bestimmt hat diese "Sisi" auch Kröten über die Straßen geleitet und ihren Müll getrennt, schließlich war sie Deutsche.

Es bleibt die Frage, will man, und damit meine ich unsere, die Sissi-Generation, wirklich die Romanze dieses überreifen Konfirmanden und seines Mauerblümchens sehen?



Sind wir wirklich sexuell derart bedürftig geworden, dass uns Sexszenen mit Leuten, die man, nur hübscher, in jeder Kneipe zwischen Tirschenreuth und Westerstede treffen kann, TATSÄCHLICH interessieren?



WAS qualifiziert dieses, höflich gesagt, knappe Durchschnittsgesicht, eine schöne Frau wie die Kaiserin Elisabeth darzustellen? Und WAS will sie uns hier sagen? Ist das der Ausdruck für "seelenvoll" oder "trotzig"? Ach, irgendwie will ich es garnicht wissen.



Wie oft hat man sich geärgert, dass historische Persönlichkeiten im Film glamourifiziert wurden, und wenn es ausnahmweise einmal eine WIRKLICH schöne Frau darzustellen gilt, besetzt man ihre Rolle mit einem Trampel! Was haben die Filmemacher sich dabei GEDACHT? DENKEN sie überhaupt? HABEN sie ein Gehirn?



Konnte man nicht warten, bis die Letzten, die sich an diesen beiden schönen jungen Menschen erfreut haben, tot sind, statt uns mit derivativem Müll zu beleidigen? Niemand, der einmal in das liebreizende Gesicht der jungen Romy Schneider geschaut hat, wird je wieder seinen Standard nach unten schrauben wollen. Hollywood? Verglichen mit ihr war "Liz" Taylor eine vulgäre, dicke Vettel und Grace Kelly eine langweilige Ming-Vase - schön aber hohl.



Kitschig? Aber sicher, und das ist auch gut so!

Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass es, nachdem ein Gott wie Walther Reyer den Grafen Andrassy dargestellt hatte ...



... ja es ist wirklich nicht zu fassen ...



... es nun auch ein ...



... Eintänzer aus der Fischbratküche tut.

Und in der Tat, er tut es ja auch. Und dazu auch noch unrasiert.

Nichts entlarvt die Arroganz, Verderbtheit und Hoffnungslosigkeit der verkommenen Eliten mehr, als wenn sie dem dummen Pöbel "Unterhaltung" mundgerecht aufbereitet präsentieren. Es könnte ja irgendwo, irgendwann irgendjemand Freude an etwas einfach und wirklich Schönem haben, und das darf nicht sein.

(Eintrag vom Januar 2010.)