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Genie und Wahnsinn

Die genialen Wahnsinnigen (oder meinetwegen wahnsinnigen Genies), um die es hier gehen wird, sind Russell Terrier - und zwar in der Kunst.

Die Entstehungsgeschichte dieser Rasse wurde in diesem Blog bereits hier thematisiert, daher nur: der Begründer der Rasse, Pfarrer John "Jack" Russell, war genauso verrückt wie die Hunde, die bis heute seinen Namen tragen. (Ich habe selbst zwei davon, aber bitte keine dummen Bemerkungen - zumindest, was "Wahnsinn" anbelangt.)

"Weiße Terrier" waren und sind beliebte Objekte für Maler. Vielleicht, weil Farbe und Zeichnung  attraktiv sind, vielleicht auch, weil ihr meist kurzes Fell ihren Gesichtsausdruck besser offenbart, als bei langhaarigen Rassen. Man kann diesen Blick in vier Kategorien aufteilen: wachsam-kritisch no-nonsense, "braver Hund", wenn sie etwas wollen, irre, wenn sie etwas Jagdbares sehen und einfach müde. Selbstverständlich ist die "Braver-Hund"-Miene ihrem außergewöhnlich stark entwickelten schauspielerischen Talent zu verdanken.

Besonderen Spaß machen mir immer die Bilder, die Terrier bei der Arbeit zeigen.

Manche Bilder, vor allem die aus der Viktorianischen Stilepoche, sind etwas süßlich, bei manchen sagt man: "Ja, so sieht ein Terrier aus", aber mehr auch nicht. Und manche bekommen es halt genau hin und erfassen die Seele des Hundes.

Dies ist eine Zusammenstellung von Bildern und kleinen kunsthandwerklichen Gegenständen, die mir gefallen. Die Reihenfolge spielt keine Rolle.

Notabene: in alten Darstellungen findet man auch Terrier, die eindeutig dem Typ des Russell Terriers entsprechen, als Foxterrier bezeichnet oder solche, die lange vor der Zeit des alten Pfarrers im Bild festgehalten wurden. Die Bezeichnung "Jack (oder Parson) Russell Terrier**" ist neueren Datums. Der Foxl unterscheidet sich heute auf den ersten Blick durch das Fehlen des "Stops", des Übergangs von Nasenwurzel zu Schädel, etwa in Höhe der Augen. Beim Russell Terrier ist er steil ausgeprägt, beim Foxl praktisch nicht vorhanden. Wann genau die "offizielle" Trennung zwischen den beiden Rassen stattfand, weiß ich nicht.

Bei diesem Bild von Arthur Wardle (1860–1949), "No One Home",
dürfte es sich, zumindest bei dem Hund rechts, tatsächlich, man beachte den fehlenden "Stop",
um Foxterrier handeln.
Was auch immer! Erfreuen Sie sich einfach an den Bildern.

Die legendäre "Trump" des John Russell. Das Bild wurde vom Fürsten von Wales (später Edward VII) in Auftrag gegeben, rund 40 Jahre nach dem Tod der Hündin. Es hängt heute noch in der Sattelkammer von Sandringham. Der Künstler ist mir unbekannt.

Hunde des Russell-Typs in einer zeitgenössischen Darstellung:
John Emms (1844 bis 1912), "Acht Drahthaar-Foxterrier [sic!] im Zwinger"

Sir Edwin Landseer (1802 - 1873), "Jocko with a Hedgehog".
Meine verrückte Kleine als Beispiel, wie sich der Typ seit mehr als 100 Jahren erhalten hat.

Arthur Wardle (1860–1949), der Titel des Gemäldes ist mir unbekannt.
Zwei Russell Terrier ("Stop"!), einer glatt-, einer rauhhaarig, bei der Arbeit.

John Fitz Marshall (1859 - 1932), "Gamekeeper's Companion".

Alfred Wheeler (1852 - 1932), "Two Fox Terriers" [sic!].
Man beachte den kritisch-wachsamen Blick, der diesen Hunden zu
eigen ist.

Arthur Wardle (1860–1949), "Smooth Haired Fox Terriers [sic!]
at a Rabbit Hole".

George Armfield (1810–1893), "Terriers Ratting".

H.T. Dicksee (1862-1942), "Closed Door".

John Emms (1844 bis 1912), "Smooth Haired Fox Terrier Richmond Jack".
Eindeutig ein Russell ("Stop"!) Diese Bemuskelung!

John Emms (1844 bis 1912), "Dogs Watching Bathers".
Landseer und Russell Terrier.
Es kann auch schief gehen. Nachdem sie jahrelang friedlich
zusammengelegen hatten, kam es zu einem Kampf auf Leben und Tod,
den - wer hätte das gedacht - der Terrier angefangen hatte.
Ich musste mich von dem Deutsch Kurzhaar trennen, der Terrier
hatte ältere Rechte. Es war schrecklich.
(Man beachte den unentspannten Blick des Terriers. Ich hätte es
wissen müssen.)
;
Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "Left in Charge".
Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. ("Der Blick"!)

Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "By the Hearth".

Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "In the Lap of Luxury".

George Stubbs (1724 – 1806), "Bay Horse and White Dog".
Hier haben wir also einen weißen Terrier lange vor der Zeit
des Pfarres John Russell.

William Elsob Marshall (1859 - 1881), "Terrier in a Landscape".

Arthur Wardle (1860–1949), "Terriers at a Riverbank".
An solchen Ufern gibt es immer etwas Interessantes,
Ratten, Otter... Weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.

Zum Abschluss der Bilderreihe, je ein Portrait meiner Terrier. Mit etwas Glück finden sich auch heute gute Tiermaler.

Sonja Herrmann hat Jack genial wiedergegeben.
Der irre Blick ist unverkennbar.

Bettina Balczulat hat meine verrückte Kleine
perfekt eingefangen. Sie kennt nur zwei
Gesichtsausdrücke: jachtig irre und lieb. Sie ist
eben anders als andere Hunde.


Hier verlassen wir das Reich der Kunst und begeben uns in das des Kunsthandwerks. Ob und wo hier die Grenze zum Kitsch überschritten wird, mag ich nicht zu entscheiden. Es haben eh nur geschmacksunsichere Leute ein Problem damit. Mir gefallen sie.

Dieser Silberschmied hat den irren Blick perfekt hinbekommen!

"Braver Hund"! Er möchte vermutlich eine Eiswaffel*.

Border Fine Art: Zwei Russells beim Ausgraben des Fuchses.

Border Fine Art: Er möchte eine Eiswaffel*.

Border Fine Art: Sie haben etwas Spannendes entdeckt.

Border Fine Art, "Marking His Territory", die Lieblings- und nie endende
Tätigkeit meines Jacks. Er tut es ÜBERALL und in einem Zeitabstand
von gefühlten 10 Sekunden. Wo er ist, ist sein Territorium.



*Die "Eiswaffel" ist eine Anspielung auf eben diesen Jack. Dafür macht sich der größte Held und Macho aller Zeiten gerne schon 'mal zum Affen.

**Auf den verwirrenden Unterschied zwischen Parson-, Parson Jack- und Jack Russell Terrier gehe ich hier nicht ein. Bei uns ist der Parson die vom JGHV (der jagdkynologischen Dachorganisation) anerkannte Rasse, in England und Amerika ist er der "Schauhund" und der Jack der urtümliche Jagdbegleiter.

Wir haben in unserem anderen Blog schon einmal Terrier in der Kunst thematisiert.


"Das ist verboten!" Eine Idiotengeschichte mit Hunden und Kindern

Es war vor etlichen Jahren am Heidesee bei Dinslaken, ein beliebtes (und sehr schönes) Naherholungsgebiet für das nordwestliche Ruhrgebiet.

Mein alter Langhaar Weimaraner und der damals noch ganz junge Terrier hingen gemeinsam an einem großen Ast, den sie, unaufgefordert, anlanden wollten  ("Stöckchenwerfen" gab es aus guten Gründen nicht),  Wettkampfstimmung lag in der Luft.

Eine Familie auf Fahrrädern kam vorbei. Das etwa 8- bis 10jährige Schraz kreischte: "Papa, ist das nicht verboten?" Papas Antwort konnte ich nicht hören. Dann fuhren sie weiter um den See herum und ich verlor sie aus den Augen. Aber die ganze Zeit konnte ich ein schrilles und Xmal wiederholtes "Das ist verBOTEN" hören. Auf einmal herrschte Stille und ich vermeinte ein lautes "Platsch" zu hören (aber vielleicht habe ich mir das nur eingebildet, rein wunschdenkenmäßig), dann ein entsetzliches Geplärr.

Das fand ich, ich gesteh es mit etwas (aber auch nur etwas) schlechtem Gewissen, klasse. WIE gemütsarm muss ein Kind sein, das bei einem solchen Anblick keine Freude empfindet, sondern zuerst daran denkt, dass das "verboten" sein könnte?

Nicht, dass ich Kinder nicht mag - in kleinen Dosen oder besser (ich bin ja kein Kannibale): in geringen Dosierungen.

Ein weiteres Beispiel kontemporärer Kindererziehung konnte ich eben dort erleben. Wozu sind Naherholungsgebiete schließlich da.

Es war in spätsommerlicher Abenddämmerung, zu einer Zeit, in der Kinder ins Bett gehören. Eine Horde wildgewordener, oder, um gerecht zu sein (man kann davon ausgehen, dass sie nicht selbst auf die Idee zu diesem Ausflug zu der heimischen Flora und Fauna gekommen waren und dass sie sich auch ruhig verhalten hätten, wäre das von ihnen verlangt worden) heftig animierter Kleinkinder zog unter Gekreische und Trillergepfeife durch den Wald, ermutigt von den erwachsenen Begleitpersonen. Es war ganz klar keine private Veranstaltung, sondern eine Schulklasse oder ein Kindergarten.

Bis heute weiß ich nicht, welchen erzieherischen Sinn das gehabt haben mag und denke manchmal noch darüber nach. Vielleicht wollte man den lieben Kleinen so die Schönheit, Ruhe und Majestät des abendlichen Waldes und die entspannte Lebensweise seiner scheuem Bewohner vor Augen führen. Es geht doch nichts über progressive Pädagogik!

Und - wetten wir? - all' diese Flachpfeifen, ob Pädagogen, Hundehalter, Jogger, Biker, Spaziergänger, wasauchimmer, die ihren Müll im Wald hinterlassen, das Wild verstören, bei Waldbrandgefahr grillen oder ihren Fifi lustig jagen lassen, werden behaupten, dass sie "Natur-" und "Tierfreunde" seien.

Fifi hat Tee gefressen oder: "Schon 10 Kohletabletten"

Wenn ich meinen Blutdruck in die Höhe treiben will, besuche ich Hundeforen. Sie evozieren bei mir entweder hysterisches Gelächter oder blanke Wut. Beides hilft.

Hier ein Schulbuchbeispiel (Name von der Redaktion geändert):
fifi war heute mal wieder im garten und hat da von dem komposthaufen etwas alten (nach dem teekochen übriggebliebenen) tee gefressen. wir wissen nicht wie viel es war, es können keine riesigen mengen gewesen sein, aber so genau wissen wirs halt nicht!
Aber Fifis Herrchen wusste Rat:
wir haben ihm jetzt schon 10 kohle tabletten gegeben, aber können keinen TA erreichen und wissen auch nicht wie dramatisch es ist.
wir habe aus daten uasm internet errechnet, dass er 80g unbenutzte teeblätter essen müsste damit es gefährlich wäre, das könnte so viel gewesen sein, wenn man das wasser, was sie aufgesogen haben mitzählt!

weiß jemand von euch, ob teeblätter nachdem sie gekocht wurden und dann eine weile draußen lagen noch für hunde gefährliche mengen koffein enthalten?!?

es ist jetzt ca. 1 std. her und er hat noch keine symptome oder ist irgendwie auffällig!!!
Nein, das weiß ich nicht. Aber es würde mich interessieren, wie lange Fifi gebraucht hat, bis er wieder kacken konnte.

Gutmenschenempathie

Kennen Sie auch Leute, die Hunde aus süd- oder osteuropäischen Hundeelendsländern geholt haben und sie dann lustig jagen lassen? Fifi muss sich schließlich selbst verwirklichen und auch mal Spaß haben können, schließlich hatte er eine schwere Jugend. Die sind übrigens erstaunlich oft gegen die Jagd - das heißt, wenn sie denn durch Jäger, die durch ein rigoroses Prüfungssystem gegangen sind, tierschutzgerecht und im Sinne der Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Wildfauna, ausgeübt wird.

Pfui Teufel! Das könnte ja Spaß machen und Deutsche tun alles nur aus den allerernstest- und -edelsten Motiven, auch und vor allem das Hundehalten.

Mit 8 Wochen schon ein Kindersoldat!
Meinen ersten Hund habe ich mir nicht aus einem der bekannten Hundeelendsländer geholt, sondern von einem seriösen Züchter jagdbetonter Terrier auf der Britischen Insel, wofür ich mir eine Bemerkung eingehandelt habe, wie die, dass man doch gedacht habe, dass ich einem "armen Hündchen aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben" hätte. So sieht Gutmenschenempathie halt aus.

Nun ja, zum Tierpsychiater, zur Veterinärkrankenschwester oder zum edlen Samariter habe ich mich nie berufen gefühlt, ich wollte - Pfui Teufel und so ganz undeutsch - einfach Spaß an und mit dem Hund haben, auch ohne unbedingt Gutes dabei zu tun, daher hielt sich mein schlechtes Gewissen in engen Grenzen.

Warum von der Britischen Insel? Zuerst weil man für Köter dieser Rasse hier ein Vermögen bezahlt und ich für das, was der kleine Kerl gekostet hat, nicht einmal besuchsweise die Nase in einen einschlägigen deutschen Zwinger hätte stecken dürfen, dann weil die Briten gute Hundeleute sind und dann, weil ich dort eine Freunde-Infastruktur habe, die mich ja auch letztlich zum Ziel geführt hat. Jagdliche Erwägungen habe ich, wie gesagt, damals noch nicht angestellt. "Papiere" waren für mich nicht von Bedeutung.

Nach erfolgreicher Brauchbarkeit. Foto: Privat.
Als ich dann entdeckte, dass der Hund gerne jagen wollte und extrem wasserfreudig war, musste ich das in vernünftige (und legale) Bahnen lenken, was hieß, den Jagdschein zu machen, etwas, woran ich nie großes Interesse gehabt hatte. In Nordrhein-Westfalen, wo ich damals lebte, konnte man die Brauchbarkeitsprüfung mit papierlosen Hunden ablegen, die phänotypisch - also ihrem äußeren Erscheinungsbild nach - einer Jagdhunderasse entsprachen.

Dann zog ich um nach Sachsen und hatte ein Problem. Dort wurden zur Brauchbarkeitsprüfung nur Hunde zugelassen, die Papiere eines vom JGHV (der jagdkynologischen Dachorganisation) anerkannten Zuchtverbandes hatten.

Ich bin also Mitglied in dem entsprechenden Verein geworden, habe den Hund dort erfolgreich phänotypiseren lassen, sodass er "Papiere" ausgestellt bekam. Daraufhin habe ich noch, obwohl ich das nicht gemusst hätte, den Wesenstest dieses Clubs mit dem Hund (dabei werden Nervenstärke, jagdliche Grundeignung und freundliche Disposition dem Menschen gegenüber geprüft) abgelegt. Übrigens sehr erfolgreich - hat uns beiden Bombenspaß gemacht.

Der Ernst des Lebens begann mit der Prüfung für Bauhunde in der Schliefanlage. Schliefanlagen sind standardisierte künstliche Fuchsbauten (nicht zu verwechseln mit Kunstbauten), die viele Schikanen enthalten, denen ein Hund bei der Baujagd ausgesetzt sein kann. An einer Seite befindet sich ein "Kessel" mit einem lebenden Fuchs. Er ist durch einen gitterartigen "Schieber" von dem Hund getrennt. Der Hund muss schnell seinen Weg zum Kessel finden und den Fuchs, dem dabei nichts passieren kann (und der das auch weiß), bedrängen. Davon, ob er und wie energisch er das tut, hängt das Resultat seiner Bauprüfung ab. Weitere Einzelheiten sind in diesem Zusammenhang uninteressant.

"Ja, ich seh Dein Ohr!" sagte der Richter bei der Zuchtzulassung. Er meinte das krumme Ohr auf der hier nicht sichtbaren Seite. Das anbiedernde Wedeln hat dem Kerl zwar nichts genützt, aber es hat so grade noch gereicht.
Die Ausbildung in der Schliefanlage ist unabdingbar für die Sicherheit des Hundes bei seinem späteren Baujagdeinsatz. Die Schliefenfüchse sind in Gefangenschaft geboren, dürfen nur paarweise gehalten werden, damit sie auch Sex haben können, müssen Klettermöglichkeiten haben (ja, Füchse klettern gerne) und werden bestens ernährt, der Kessel muss gekachelt sein, damit hygienische Verhältnisse gesichert sind. Mit anderen Worten: sie haben es besser als viele Menschen. Diese Füchse kennen ihren Job genau und wissen, dass ihnen nichts passiert. Sie können in Ruhe alt werden und sterben eines natürlichen Todes. Dennoch kann man auf "Tierschützer"-Seiten lesen, dass diese Füchse nach der "Jagdsaison" den Hunden "zum Zerreißen" vorgeworfen werden, deswegen wird man auch schon 'mal bei einer Schliefanlage von Passanten liebevoll  "Fuchsquäler" tituliert, auch werden diese gerne einmal abgefackelt. Gutmenschen sind zwar immer gut, aber fast nie ehrlich.

Danach kam die Brauchbarkeitsprüfung für Schweiß und Stöbern in Sachsen, die wir in der Lausitz erfolgreich abgelegt haben. Dabei wurde der Sichtlaut des Hundes bestätigt, d.h. er gibt beim Anblick von Wild laut - vulgo: er bellt. Ich habe ihn auch spurlaut jagen sehen (der Spurlaut, wobei der Hund laut der Spur des Wildes folgt, ist wertvoller als der bloße Sichtlaut), aber beide Arten des Lautes müssen von einem Richter des JGHV bestätigt werden, und es war keiner anwesend.

Müde aber glücklich nach einer Drückjagd.
Ich habe ihn sogar erfolgreich auf einer Zuchtschau vorgestellt, obwohl mir klar war, dass zu einem Phänotyphund ohne nachweisbare Abstammung, richtigerweise, niemand zum Decken kommen würde. Aber da er so eine kleine Aufmerksamkeitshure ist, habe ich ihm den Gefallen getan. Er hat es genossen und es war ein schöner Tag.

Wenn ich sehe, mit welcher Freude der kleine Kerl bei der Jagd und den Übungstagen bei der Sache war (er ist auch ein Genie an Sauen, obwohl die Hunde auf den Britischen Inseln - dort gibt es ja keine - nicht dafür gezüchtet werden) war ich immer froh, diese Ochsentour absolviert zu haben.

Und wenn jetzt zur Setz- und Brutzeit wieder die grauenerregenden Nachrichten und Bilder des von wildernden Hunden gerissenen Wildes hereinkommen, dann denke ich, dass es für Gutmenschen nicht nur zwei Sorten von Menschen - sie selbst und die anderen - gibt, sondern auch zwei Sorten von Tieren, die, mit denen man Mitleid hat - und die anderen.

Der kleine Drecksköter wird in einigen Tagen 14 Jahre alt, ist kerngesund und vital wie ein junger und hat mir - Pfui Teufel! - nur Freude bereitet, und die Samariter können mich mal kreuzweise.

Ich bin halt ein Egoist und das ist auch gut so.

 "Wo ist die Ente?" Der Hund mit 13 Jahren.

(22.03.2018)

Bellobinsen

Kein Lebensbereich, so scheint es, bleibt von der Binse verschont, warum sollte die Hundewelt dagegen immun sein. Betroffenheitsdeppen, Deeskalations-Friedensfuzzis, Gleichheitshysterikerinnen beider Geschlechter, Noblewildeversteher, Neidgeplagte, Asozial-Antiautoritäre und einfach nur Doofe. Ich SCHWÖRE, das ist alles so zu mir gesagt worden. Hier meine gesammelten Blüten:

"Hahaha!"
Das Herrchen des Landseers, der mich angesprungen hatte und es war extrem matschig da unten und echt total lustig.

"Unser Hund ist gefährlich."
Frauchen lief von der Last eines quer getragenen Baumes ("Ast" würde diesem Trumm nicht gerecht werden) gebückt vor Herrchen her, das den Hund an der Leine führte und warnte alle Entgegenkommenden. (Die Terrier nahmen das zum Anlass, daran zu schaukeln. Fanden sie lustig.)

"Die machen das schon unter sich aus." (Unausgesprochen)
Die Leute, die einfach weitergingen, als ihr weißer Schäferhund aus dem spanischen Tierschutz meinen Terrier am Boden festgenagelt hatte, obwohl er sich unterworfen hatte. Tiefes Loch im Hals. Die Tierarztrechnung habe ich noch lange vergeblich mit mir 'rumgetragen. So viel zu den "natürlich sozialisierten" Hunden aus Hundeelendsländern. Mehr siehe hier.

"Die [vorher in Rudeln freilebenden] Hunde aus Spanien/Portugal/Griechenland/Osteuropa [die keinen Menschenkontakt kennen und die man dann in deutsche Wohnungen verpflanzt] sind alle ganz toll natürlich sozialisiert."

"Wir haben keine Angst, aber Kinder könnten sich davor erschrecken."
Als meine winzige, 12-Wochen-alte Kleine (ausgewachsen später kolossale 6 kilo schwer) überraschend aufgetauchte Spaziergänger auf einem Waldweg piepsend ankläffte.

"Das ist ja unglaublich!"
Das Herrchen eines eingestandenermaßen bissigen Hundes, welches versuchte, meine Terrier durch das Auf- und Zuklappen seines Regenschirmes zu verscheuchen, was die klasse fanden und mich zu der Antwort veranlasste, dass "unglaublich" nur sei, dass er mit seinem Köter nicht auf die entfernte Seite des breiten Ruhrufers gegangen sei.

"Ihr pisst alles voll, Ihr kackt alles voll ..."
Ein Angler an der Ruhr zu meinen Terriern, die das zum Anlass nahmen, sich vor ihm aufzubauen und kräftig anzukeifen. Wahrscheinlich hielten sie es für ein neues Spiel. In diesem Fall muss ich sagen, ich konnte den Mann verstehen. Er hatte recht.

"Lassen Sie ihn doch. Er darf mich ruhig anspringen. Er freut sich doch."

"Hach sind Sie brutal!"
Wenn man den Hund "Down" machen lässt. Ich war schwer versucht, den jungen und extrem lebhaften Hund abzuleinen und ihn das tierärztliche Wartezimmer spontimäßig aufmischen zu lassen.

"Sie üben die ganze Gewalt des Menschen über den Hund aus."
Bei eben dieser Gelegenheit. Hätte der Hund die ganze Gewalt des Hundes über den Menschen ausgeübt, wäre das aber okay gewesen.

"Warum darf Ihr Hund denn nicht bellen? Das ist doch ein Hund. Der muss doch bellen."

"Hunde sind wie Kinder."

"Hunde wissen genau, wer es gut mit ihnen meint."
Hat Blondie auch gewusst.

"Ich lasse für meine Hunde vegetarisches Futter aus Amerika kommen."

"Kaninchenmörder!"

"Fuchsquäler!"

"Aus welchem Tierheim hamse den?"
Rassehunde sind bäh!

"Und ich hatte gehofft, dass Du einem armen Hündchen aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben hättest."
Sowas macht Freude, vor allem wenn man sich soeben seinen ersten Hund angeschafft hat. Gutmenschenempathie halt.

"Ist der auch kastriert?"
Betonung auf "kastriert". Männliche Sexualität muss so weit wie möglich eingedämmt werden, läufige Hündinnen dürfen aber ganze Hundewiesen verstänkern. Genau wie im richtigen Leben.

"Aber mein Hund hat doch noch Welpenschutz."
Einen Schmarrn hat der. Das gilt nur im Rudel.

"Jäger schränken meine Freiheit ein, weil ich mich nicht mehr mit dem angeleinten [haha] Hund in den Wald traue."

"Ich habe meinen Hund vom Bauern, weil die [seriösen] Züchter verdienen damit viel zuviel."
Ja, viel zu verdienen ist bäh. Übrigens: Als ich den Züchter meines Vorstehhundes kennenlernte, hatte er eine in der Zucht stehende Hündin, zwei alte Damen, die liebevoll zu Tode gepflegt wurden und von denen eine ihm nie einen Wurf gebracht hatte, sowie zwei Nachwuchshündinnen. Heute, nach 8 Jahren, ist die Konstellation wieder ähnlich. Noch Fragen?

"Jagdhunde sind bei Nichtjägern viel glücklicher."

 Und hier noch vier, nicht über Hunde:

"Ich habe nichts gegen die Jagd an sich, nur gegen Hobbyjäger."
Weil die könnten ja Spaß daran haben.

"Über die Jagd wird noch mehr gelogen, als über den Krieg."

"Die Natur würde sich schon von selber regeln."

Und als Glanzstück:

"Mir hat noch kein Fuchs was getan."

Spirituelles Hundefutter

Schon einmal was von "Barfen" gehört? Nein? Ich erklär es.

Barfen ist nicht eine von vielen Methoden seine Hunde zu ernähren. Nein! Barfen heißt, einer Sekte mit vielen Subdenominationen anzugehören. "Barf" ist ein Akronym umstrittener Herkunft, eine von vielen Erklärungen lautet "Biologically Appropriate Raw Food" und das englische Verb "to barf" übersetzt man am besten als "kotzen" und das ist es, was mir dazu zuerst einfällt.

Richtige Barfer verwenden einen Großteil ihrer Lebenszeit auf Hundefutter, das Herbeischaffen seiner Komponenten, seine Zusammenstellung und Zubereitung. Die Relation zwischen Fleischanteil und Obst- und Gemüsepampe ist vorgeschrieben, ebenso die Relation zwischen Obst und Gemüse in der Obst- und Gemüsepampe. Ob man Obst- und Gemüsepampe mit dem Fleisch oder separat serviert, ist ebenfalls umstritten. Es kommt ja nicht in denselben Magen. Dann gibt es eine Fraktion, die leugnet, dass man Obst und Gemüse überhaupt zu Pampe verarbeiten muss und nennt das "die Hackerlüge" oder so ähnlich. So etwas wird von denen ernster genommen, als Holocaustleugnung im richtigen Leben.

Auch der Ölanteil im Futter ist auf's Gramm genau vorgegeben und über die Frage, ob Hunde Salz, Cerealien oder Milchprodukte brauchen, entstehen Grabenkämpfe. Lachs wird gerne genommen, mein sehr geschätzer Fleischlieferant hat Kanguruh- und Kamelfleisch im Angebot und Quark mit Ananas und Honig gilt als beliebte Zwischenmahlzeit für Fifi.

Ich bin niemand, der allzuviel Schlaf über die armen Negerkinder in Indien verliert, aber ich finde, irgendwann wird es obszön.

Schluss mit lustig ist auch zum Beispiel, wenn "natürliche" Mittel als Ersatz für herkömmliche Wurmkuren angepriesen werden. Und wenn ich "Meine Tierärztin sagt auch ..." oder gar "Meine Homöopathin ..." lese, breche ich die Lektüre ab. Wir wissen, dass Frauen nur allzu gerne auf der Kuschel- statt auf der Faktenschiene fahren und sollten DoppelXchromosomenträgerinnen daher zuerst einmal grundsätzlich mit gesunder Misogynie betrachten.

Das Spannendste aber ist die Sache mit den Kräutern. Es gibt - ja wirklich - Bücher darüber und sogenannte Barfshops verdienen sich dumm und dämlich daran oder an den vielen exotischen Ölen, dem Muschelmehl und den Algenkonzentraten, die Fifi alle gut tun. Allerdings sind die zur Ergänzung der Nahrung notwendigen Dinge wie Kräuter, und Öle in den "Barfshops" deutlich teurer, als in der (ja wirklich!) Apotheke oder im gehobenen Lebensmittelhandel. Hagebuttenschalen braucht man auch nicht, man kann die Früchte sammeln, wenn man mit Fifi unterwegs ist. Um zu dieser Einsicht zu kommen, muss man sich allerdings die Mühe machen, Preise zu vergleichen, aber dazu hat man wohl keine Zeit, weil man ist ja voll damit ausgelastet, "seine Homöopathin" zur reichen Frau zu machen.

Ein 100 l Gefrierschrank ist nichts, die Blutwerte werden dauernd (aber auch DAUERND) untersucht und der Futterplan den Ergebnissen entsprechend angepasst. Tierärzte müssen schließlich auch leben, obwohl sie ja eigentlich von nichts Ahnung haben.
Ich suche aber immernoch nach Erklärungsmöglichkeiten.
Und glaube nicht, dass meine Süße ein wirkliches Nierenproblem hat.
Bei mir hatte die Geschichte auch ein gutes: ich werde sie beim nächsten Blutbild mal auf alle in Frage kommenden Reisekrankheiten prüfen lassen. (Ist ja ne kleine Rumänin. :wink:)
Das entspricht, bis hin zum neckischen :wink:, so etwa dem intellektuellen und emotionalen Niveau des Durchschnittsbarfers.

Klar, es besteht in unserer von der Industrie geprägten Wohlstandsgesellschaft eine Sehnsucht nach "Antworten" auf alle möglichen Dinge und eine scheint die Natur (oder was auch immer man darunter versteht) zu geben. Bio ist gut! Spiritualität, solange sie nichts mit irgendeiner christlichen Kirche zu tun hat, ist in. Das gilt nicht nur beim Hundefutter. Wölfe, die heidnische Gottheit der Spritituell-Naturbesoffenen, sollen wieder ihren Platz in unserer dichtbesiedelten Kulturlandschaft erhalten und vergiss die bitteren Konsequenzen. Der Name der Jäger, die sich bemühen, das Gleichgewicht der Natur in Balance zu halten, ist in weiten Kreisen Dreck - Tiere töten geht garnicht - und das geht hin bis zu Angriffen auf ihre physische Integrität (Jäger töten geht sehr wohl) und die ihres Eigentums.

Sie sind nicht spirituell. Sie tun nur so.
Um nicht missverstanden zu werden: Ich "barfe" meine Hunde auch. Vieles an dem Konzept leuchtet mir ein, und ich halte mich an das, WAS mir einleuchtet. Mir leuchtet zum Beispiel ein, dass es nicht gut sein kann, wenn man sich nur von Tütensuppen ernährt, und warum soll das für Hunde anders sein. "Barfen" geht auch unaufwändig, macht Spaß und ist weit weniger kostenintensiv als hochwertiges Dosen- oder Trockenfutter (wobei ich die gesundheitlichen Risiken von auch hochwertigem TroFu - Stichwort "Tütensuppen" - für den Hund hier mal weglasse), und noch mehr, wenn man sich die Mühe macht, alternative Bezugsquellen aufzutun. Der Metzger am Ort schlachtet vielleicht noch selbst ("Abfall" wie Schlundfleisch, Knorpeliges oder Innereien sind eh wertvoller und die Hunde mögen es lieber), man kann sich im Lebensmittelhandel überreifes Obst (das eh besser für die Hunde ist) erbitten oder für den Pflanzenanteil auch mal Brennnesseln, Hagebutten, Ampfer oder Löwenzahnblätter sammeln. Bei ALDI gibt es eine Kohlrabi für 99 Cent und man kann so viel "Grün" (das auch das Beste am Gemüse ist) mitnehmen, wie man will. Aber der Teufel soll mich holen, sollte ich meine Hunde je mit Algenmehl, Knoblauch, Lachs, Weißfisch oder anderen Dingen, die nichts mit der Lebenssituation von Urvater Wolf zu tun haben (um ehrlich zu sein, ganz selten mal Fisch als "Schmankerl), oder sogar (Knoblauch!) bedenklich sind, belästigen.

Ich bin katholisch. Spirituell brauch ich nicht.

Eine westfälische Legende

Die jagdkynologischen Informationen über Friedrich von Schorlemer-Alst im Internet sind spärlich und widersprüchlich. Wir bedanken uns daher ganz herzlich bei Reinhard Freiherr von Schorlemer. Baron Schorlemer hat mit seinen Informationen wesentlich zur Entstehung dieses Artikels beigetragen und auch dieses Bild zur Verfügung gestellt.
Friedrich Antonius Aloysius Mamertus Hubertus Maria Freiherr von Schorlemer-Alst (1854 - 1934) gilt als "Vater" des Deutsch Langhaarigen Vorstehhundes. Alljährlich veranstaltet der Deutsch-Langhaar-Verband die nach ihm benannte Schorlemer-Herbstzuchtprüfung.

Noch heute erinnert man sich in der Familie an ihn als begeisterten Jäger und Hundemann und so war er auch neben seinen anderen Interessen und Ämtern Vorstandsmitglied des Deutschen Jagdschutzvereins.

Friedrich von Schorlemer-Alst entstammte dem westfälischen Uradelsgeschlecht Schorlemer. Seine Eltern waren Burghard von Schorlemer-Alst und Anna Freiin von Imbsen, verwitwete Gräfin Droste zu Vischering, und hier beginnt ein spannender Ausflug in die Geschichte Westfalens.

Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (1825 - 1895) war der Gründer des "Westfälischen Bauernvereins", Initiator der ländlichen Genossenschaftsbewegung in Westfalen und damit einer der Wegbereiter bäuerlicher Interessen über Westfalen hinaus. Bei aller politischen Neutralität des Bauernvereins, war Schorlemer-Alst eine politische Kämpfernatur. Als Vorsitzender der Zentrumspartei im Preußischen Landtag und Reichstagsabgeordneter, war er während des preußischen Kulturkampfs ein exponierter Gegner Bismarcks.

Landrat von Schorlemer zu Pferde.
Friedrichs Onkel Wilhelm (1821 - 1884) war preußischer Offizier, Landrat und Politiker der Zentrumspartei. Im Zuge des preußischen Kulturkampfs beantragte er 1875 die Entlassung aus dem Staatsdienst.

Der Spannungen zwischen der katholischen Familie Schorlemer (und anderer adliger katholischer Familien Westfalens) und der preußischen Obrigkeit ist ein prägender Teil der Geschichte des Landes, das nach dem Wiener Kongress 1815 preußische Provinz wurde.

Nach dem Abitur am 24. März 1874 am Gymnasium Rheine studierte Friedrich von Schorlemer zunächst an der Akademie Münster Philosophie und an den Universitäten Würzburg und Göttingen Jura. Im Juli 1878 legte er die Prüfung zum Gerichtsreferendar beim Appellationsgericht in Köln ab und erhielt eine Anstellung am Kreisgericht Burgsteinfurt.

Am 8. April 1880 heiratete er in Münster Wilhelmine von Hartmann. Die Ehe blieb kinderlos.
Bevor er 1896 zum Landrat von Ahaus ernannt wurde, war er in der Verwaltung mehrerer großer Güter tätig. Seine landwirtschaftlichen Interessen verband er mit Auslandsreisen, z.B. nach Spanien, Italien, England, Frankreich, Österreich, Ungarn und Russland. Bei Erreichen der Altersgrenze wurde er 1920 aus dem Staatsdienst entlassen.
 
Haus Alst bei Horstmar, das von 1852 bis 1935 im Besitz der Familie Schorlemer war.
Eine weitere wichtige politische Funktion war seine Mitgliedschaft im westfälischen Provinziallandtag. Provinziallandtage wurden in Preußen 1875 gebildet. Sie waren mit eigenen Finanzen und eigenem Aufgabenkreis (Staatschausseen, Sozialfürsorge, Melioration, Förderung von Wissenschaft und Kunst, Wohnungs- und Siedlungswesen) Körperschaften des Öffentlichen Rechts. Auch trug die Tatsache, dass sie öffentlich tagten, zu ihrem Ansehen und ihrer Wirkung bei.

Zu Friedrichs Funktionen und Ehrungen gehörten die Mitgliedschaft im landwirtschaftlichen Verein der Provinz Westfalen, die Vorstandsmitgliedschaft im westfälischen Bauernverein und der im Deutschen Jagdschutzverein. Er war Vorsitzender des Pferdezuchtvereins für das nördliche Münsterland, Direktor des landwirtschaftlichen Kreisvereins Ahaus, Aufsichtsratsmitglied des Elektrizitätswerks Westfalen, Aufsichtsratsmitglied der Westfälischen Landeseisenbahngesellschaft, Träger des Roter Adlerordens IV. Klasse und des Kronenordens III. Klasse, des Eisernen Kreuzes II. Klasse am weiß-schwarzen Band, Geheimer Regierungsrat, preußischer Kammerherr; Mitglied des Malteser-Ordens und päpstlich Geheimer Kämmerer.

"Chien Couchant A Poil Raz."  Lithographie nach J. Volmar, ca 1860.
In Jägerkreisen ist er als die wahrscheinlich einflussreichste Persönlichkeit bei der Entstehung des Deutsch Langhaars, wie wir ihn heute kennen, bekannt. Dessen Vorfahren, die dem heutigen Typ schon recht ähnlich sehen, kann man schon auf alten Jagdgemälden und Gobelins aus dem späten Mittelalter bewundern. Diese Hunde wurden überwiegend als Vogelhunde für die Beizjagd, aber auch für das "Tirassieren", dem Fang von Niederwild in Netzen, eingesetzt. Eine Vielfalt von Schlägen war an ihrer Entstehung beteiligt. Mit der Entwicklung leichterer Schusswaffen, die das Erlegen von Flugwild erlaubten, fand eine verstärkte Selektion der Hunde auf ihre Vorsteheigenschaften statt. Die Franzosen entwickelten den "chien couchant", den "liegenden Hund", Épagneuls genannt. Aus ihm entwickelten die Engländer den Setter. Beide Rassen sind an der Entstehung des Deutsch Langhaar beteiligt.

Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man, dass ein einheitlicher Rassestandard Not tat, und so trafen sich 1879 in Hannover während einer Ausstellung, die vom Vereins zur Veredelung der Hunderassen veranstaltet wurde, einflussreiche Kynologen, um einen solchen Standard festzulegen.

1893, nur einige Jahre nach Beginn der Reinzucht der Rasse Deutsch Langhaar, gründete Friedrich von Schorlemer-Alst den Club Langhaar, dessen Aktivitäten sich allerdings im Wesentlichen auf Westfalen und das Rheinland beschränkten. 1897 wurde als Reaktion darauf der überregionale Verein Deutsch-Langhaar gegründet. Dank des Einsatzes des passionierten Langhaar- und Jagdgebrauchshundemannes Schorlemer und seiner Mitstreiter, nahmen Zucht und Verbreitung der Rasse, von Westfalen ausgehend, stetigen Aufschwung. Mit entscheidend dabei dürfte auch die von Schorlemer initiierte Einführung von Gebrauchsprüfungen gewesen sein. Immer hat er die Bedeutung der Leistung betont, die nicht zugunsten des Typs vernachlässigt werden dürfe. Bereits vor dem Jahr 1933 schon gab es beim Club Langhaar 100 geschützte DL-Zwinger. Der Deutsch-Langhaar-Verband wurde als Dachverband erst im Jahre 1926 gegründet.

Der Deutsch Langhaar gilt als der klassische Försterhund.

John Russell, der jagende Pfarrer – Ein verrücktes Leben

John "Jack" Russell* wurde am 21 Dezember 1795 in Dartmouth, South Devon, als Sohn des Pfarrers John Russell und seiner Frau Nora Jewell geboren. Die Familie war in Devon seit dem 16. Jahrhundert ansässig. John der Vater, dessen Vater ebenfalls Pfarrer gewesen war, hatte wohlhabend geheiratet und John der Sohn eine unbeschwerte Kindheit.

John war eine eindrucksvolle und bekannte Persönlickeit in der Grafschaft Devon, und obwohl seine Gemeinde ihn verehrte, war er nicht einer derjenigen Geistlichen, denen es nur um das spirituelle Wohlergehen ihrer Schäfchen gegangen wäre. So lange er lebte, nahm Russell mindestens dreimal in der Woche an Fuchsjagden zu Pferde teil. Er hielt eigene Pferde und eine eigene Otterhund-Meute und durfte den distinguierten Titel** "Master of Otter Hounds" tragen.

Die Erziehung des Knaben John war typisch für die des Sohns eines anglikanischen Geistlichen im 19. Jahrhundert. Er besuchte Plympton Grammar School bis er 14 war, dann die Public School*** Blundell’s in Tiverton. Blundell’s School vertrat, bis heute nicht unüblich für Public Schools, eine spartanische Pädagogik. Die Schüler mussten um 7 Uhr morgens an ihren Tischen sitzen und es heißt, die Tinte in den Tintenfässern sei gefroren gewesen. Auf dem Lehrplan standen Lateinisch, Griechisch, die Naturwissenschaften und, für eine Extragebühr, Tanzstunden.

Die Meinung der Lehrer über den Pfarrerssohn war nicht ungeteilt positiv, hatte er doch zusammen mit einem Freund die Gelegenheit wahrgenommen, Kaninchen und Ratten mit den örtlichen Landwirten zu jagen. Foxhounds wurden angeschafft und Russell erwies sich als begabter Hundeausbilder. Allerdings wurden die beiden von einem Mitschüler "verpetzt". Der Freund musste die Schule verlassen, John kam mit Prügelstrafe davon. Was aus den Hunden wurde, ist nicht bekannt.

1814 immatrikulierte sich John am Exeter College in Oxford. Er verließ Oxford 1818 mit dem geringsten Abschluss, war er doch kein fleißiger Student gewesen und investierte, so heißt es, nur "minimal" in seine Studien.

John Russell zu Pferde mit seiner Meute und einem Terrier, James Loder (1784–1860).
Seine Interessen lagen woanders. Während seiner Studienzeit in Oxford entdeckte er seine Leidenschaft für Terrier. Er hatte mit den Foxhounds des Herzog von Beaufort**** und den Meuten von Bicester und Old Berkshire gejagt und dabei aufmerksam die Methoden der erfahrenen Masters of Hounds beobachtet.

In der Zeit des Jack Russell wurde "sport" gleichgesetzt mit Fuchsjagd zu Pferde, Jagen und Angeln - "Hunting, Shooting, Fishing" - und der junge Mann zeigte außergewöhnliches Talent beim Umgang mit Hunden und Pferden. Im 19. Jahrhundert kannte man noch keine eindeutig definierte Terrier"rassen", obwohl es schon Typunterschiede gab. In der Cynographia Britannica, erschienen um 1800, werden zwei Typen erwähnt: krummbeinige und solche mit graden Beinen. Ihre Farbe war meist schwarz mit braunen Abzeichen. Rote, braun-gelbe und gefleckte wurden ebenfalls erwähnt, Weiß war die von Jägern bevorzugte Farbe, da sie es leichter machte, Hund und Jagdbeute auseinanderzuhalten. Rute und Ohren waren kupiert. Ihr Temperament wurde beschrieben als "mürrisch, schlechtgelaunt, reizbar und aufmerksam", aber auch als "tapfer und intelligent".

Die legendäre "Trump". Das Bild wurde vom Fürsten von Wales in Auftrag gegeben, rund 40 Jahre nach dem Tod der Hündin. Es hängt heute noch in der Sattelkammer von Sandringham.
So muss der junge John Russell auch seine legendäre weiße Hündin "Trump" gefunden haben, denn er soll sie, ohne dass er sie je hätte jagen sehen, einem Milchverkäufer nahe Oxford vom Wagen weggekauft haben.

Dieser eher lässige Umgang beim Kaufen und Verkaufen von Hunden scheint typisch für ihn gewesen zu sein. Seine finanziellen Umstände zwangen ihn, seine Meutehunde mehrere Male zu verkaufen und dass er von Trump ausgehend eine Linie durchgezüchteter Terrier entwickelt hätte, ist ins Reich der Fabel zu verweisen. Tatsächlich kaufte er Hunde, die ihm gefielen, behielt sie, wenn sie gut arbeiteten und gab sie weiter, falls nötig. Geldsorgen überschatteten sein Leben immer.

Vater Russell gefiel das Benehmen seines Sohnes nicht. Er sorgte dafür, dass der junge John von der Straße weg kam und 1820 wurde der 27jährige vom Bischof von Exeter zum Priester geweiht.

Das Leben eines anglikanischen Landpfarrers im 19. Jahrhundert war nicht unbedingt arbeitsintensiv. Sein Tagebuch erwähnt immer wieder, dass er in der einen Tageshälfte Gottesdienste, Hochzeiten und Begräbnisse zelebrierte und in der anderen dem Fuchs zu Pferde nachstellte. Seine Vorgesetzten fragten sich daher auch, wie er die Energie dazu aufbringe, ganz zu schweigen von seinem lebhaften Handel mit Hunden und Pferden und seiner Leidenschaft für "Hunting Parties" nach der Jagd. Von Zeit zu Zeit wurde die Frage auch öffentlich gestellt, die Lokalpresse nannte ihn den "nutzlosen Pfarrer Jack Russell", aber das tat seiner Popularität keinen Abbruch, im Gegenteil. Die meisten seiner Gemeindemitglieder liebten ihn.

1826 heiratete Russell die 26jährige Penelope Incledon Bury, eine Admiralstochter aus einer alten Devonshire-Familie, deren Mutter nicht begeistert über die Wahl ihrer Tochter gewesen sein soll. Und obwohl die Ehe fast 49 Jahre dauerte, meinte ein Biograph, dass es offensichtlich gewesen sei, dass seine Frau niemals zwischen ihn und seinen Lieblingssport geraten sei. Zwei Jahre nach der Heirat hatte Russell bereits einen beträchtlichen Teil von Penelopes Vermögen ausgegeben.

1832 zieht der Pfarrer mit seiner Familie nach Swimbridge, Devon, wo er 40 Jahre lang Vikar***** an der St James Church bleiben wird.

Es ist bemerkenswert, dass die Rasse, die seinen Namen unsterblich gemacht hat, eine relativ geringe Rolle in seinem Leben spielte. Obwohl er 1873 einer der Gründer des Kennel Club war, hatte er kein Interesse an Schauen. Was er brauchte waren gute Arbeitshunde, wie sie aussahen spielte keine Rolle für ihn, und obwohl er für den Rest seines Lebens Mitglied des Kennel Club blieb, hat er nie seine eigenen Hunde ausgestellt. Ihm wird das Zitat "A dog with one short leg and three long ones is no eyesore - as long as it can work properly" – "Ein Hund mit einem kurzen Bein und drei langen tut dem Auge nicht weh - solange er ordentlich arbeitet" zugeschrieben.

"Jocko with a Hedgehog" von Sir Edwin Henry Landseer (1802 bis 1873) und eine Terrierhündin des Russell-Typs im Besitz der Autorin. Der Typ hat sich bis heute treu erhalten.
Ein Terrierman der Bicester Hunt, mit der auch John Russell gejagt hat. Das Foto stammt schätzungsweise aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Der Terrier des Jack Russell passte perfekt zu der Landschaft, der er entstammte, das rauhe, hügelige Gelände des "West Country". Diese Terrier konnten mit den schnellen Foxhounds mithalten, hatten eine Riesen-Ausdauer und waren intelligent. Ein verletzter oder müder Terrier wurde von Russell vor sich auf den Sattel genommen, in jeder anderer Hinsicht war er unnachgiebig. Von einem Hund, der nicht seinen Erwartungen entsprach, trennte er sich ohne Mitleid. Obwohl viele Jäger diese Terrier bei der Jagd auf Ratten oder Kaninchen einsetzten, tat Russell dies nur bei der Fuchsjagd. Der Pfarrer legte Wert darauf, dass seine Hunde den Fuchs nicht unter der Erde töteten oder ernsthaft verletzten, sondern ihn nur aus dem Bau sprengten, damit er über der Erde weiter gejagt werden konnte.

Der Fürst von Wales, später König Edward VII, lernt ihn 1873 kennen und lädt ihn ein zu einem Ball in Sandringham House. Jack tanzt bis 4 Uhr morgens und wird zur Weihnachtswoche erneut eingeladen. Der alte Schwerenöter charmiert Prinzessin Alexandra und tanzt hinein in das neue Jahr 1874 mit ihr.

Penelope Russell starb 1875 und sofort war John wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Reiche Freunde unterstützten und feierten ihn anlässlich einer riesigen Party im Landhaus des Herzogs von Bedford, auch ein Russell,****** enthusiastisch.

John Russell in einer zeitgenössischen Karikatur.
1879 gehen der Fürst von Wales und John Russell gemeinsam auf Hirschjagd mit 2000 berittenen und 9000 Teilnehmern zu Fuß.

Am 24. April 1883 stirbt John Russell. Mehr als tausend Trauergäste nehmen an seinem Begräbnis teil. An diesem Tag findet man seine alten Predigten und andere Papiere vom Wind hin- und hergeblasen im Hof des Anwesens. Von Russell selbst bleiben nur wenig schriftliche Zeugnisse erhalten. In seinem Nachruf werden seine Terrier nicht erwähnt.

Anmerkungen:

* Auf die Diskussion, welcher Name der korrekte für die Terrier des John Russell ist, wird hier nicht eingegangen. In Deutschland ist der Parson Russell Terrier derjenige, der vom JGHV anerkannt ist, während der Jack Russell eher mit dem kurzbeinigen "Reiterjackie", den die englischen Pferdepflegerinnen in den 70er Jahren nach Deutschland brachten, assoziiert wird. In England und Amerika ist der Jack Russell der urtümliche Jagdterrier, der, in der Tradition des alten Pfarrers, keiner Schönheitskonkurrenz unterliegt, während der Parson Russell dort der Schauhhund ist.


Hunde des Russell-Typs in einer zeitgenössischen Darstellung: John Emms (1844 bis 1912) "Acht Drahthaar-Foxterrier im Zwinger".
In alten Darstellungen findet man auch Terrier, die eindeutig dem Typ des Jack Russell entsprechen, als Foxterrier bezeichnet. Die Bezeichnung "Jack Russell Terrier" ist neueren Datums.

** Der Titel "Master of Hounds" bringt bis heute beträchtliches gesellschaftliches Prestige in England mit sich.

*** Eine englische "Public School" ist nicht, wie in Amerika, eine "öffentliche Schule", sondern eine elitäre Privatschule.

**** Noch heute eine der prestigeträchtigsten "Hunts" (etwa: "Jagdclub") in England.

***** In der Church of England ist ein vicar ein voll ausgebildeter und ordinierter Geistlicher. Im Deutschen ist ein Vikar noch nicht ordiniert.

****** Dieser Familie entstammt auch der Philosoph Lord Bertrand Russell. Pfarrer John war nicht mit ihr verwandt.


Greg Mousley, 32 Jagdsaisons lang Terrierman der Meynell Hunt,
Züchter von Russell-Terriern, hier etwa in den 70ern.
Edward VII. 1908 mit seinem Terrier Caesar, ganz klar vom Russell-Typ.