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Ich re-poste (Neudeutsch!) meinen Eintrag Ein Blick in die deutsche Gruppenseele aus gegebenem Anlass. Bitte herunterscrollen und das lange Addendum lesen.

Danke!
Das Erbe des Wolfes lässt uns nicht los.

Jeder, der die öffentliche Auseinandersetzung über die Wiederansiedlung des Wolfes in Internet und Medien verfolgt, muss an der Unsachlichkeit der Diskussion verzweifeln. In West- und Mitteleuropa wurde der Wolf nach endlosen Konflikten mit der Bevölkerung am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend vertrieben. Wolfsunterstützer behaupten nun, dass unsere Altvorderen nur einen Sündenbock brauchten und dass durch Wölfe verursachtes Menschenleid ins Reich der Fabel verwiesen werden könne. Auch, dass wir uns von Ammenmärchen wie "Rotkäppchen" Angst machen ließen.

Tatsächlich ist es umgekehrt. Volksmärchen wie Rotkäppchen geben die sehr realen Ängste, Nöte und Wünsche der Menschen von damals wieder, eine Form der Psychotherapie, bevor es Psychotherapie gab, sozusagen. Im internationalen Vergleich kann man sehen, dass gleiche Motive in unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen immer wieder auftauchen. Da dies manchmal nicht mit gegenseitiger Beeinflussung zu erklären ist, wird als Erklärungsansatz häufig die von Carl Gustav Jung entwickelte sogenannte Archetypenlehre herangezogen. Hiernach verfügt die Menschheit über ein Kollektives Unbewusstes mit einem Vorrat bestimmter gemeinsamer Vorstellungen, z.B. die immer wiederkehrenden bösen Stiefmütter oder die missgünstigen Schwestern, die ausgesetzten Kinder, aber auch die glanzvolle Heirat, oder eben wilde Tiere, meist Wolf oder Bär.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Quellen, die die Ängste unserer Vorfahren nachvollziehbar machen. Dabei muss man sich hüten, in eine anthropomorphe Denkweise zu verfallen. Es geht nicht um "Gut" oder "Böse", der Wolf ist ein Tier und handelt instinktiv. Er kennt derartige Begriffe nicht. Es geht vielmehr darum, dass Wölfe den Menschen in der Vergangenheit so geschadet haben, dass ein Leben nebeneinander nicht mehr möglich war.

Der norwegische Wildbiologe J.D.C. Linnell hat 2002 die Übergriffe auf Menschen in Skandinavien in den letzten 300 Jahren untersucht und sich auf die tödlichen Angriffe konzentriert. In den Ländern Finnland, Schweden und Norwegen sind 94 Todesfälle belegt, die meisten Opfer waren Kinder. Bei diesen Zahlen muss man von der Untergrenze ausgehen, weil, wie Linnell selbst zugibt, etliche Quellen als sogenannte "unbestätigte" Überlieferungen von den Wissenschaftlern verworfen wurden, was nahelegt, dass die Biologen Historiker in ihre Forschungen hätten einbeziehen sollen.

Der französische Agrarhistoriker Jean-Marc Moriceau hat die historischen Quellen in Frankreich ausgewertet und Daten über Wolfsangriffe erstellt.

Die hohe Zahl von mehreren Tausend Wolfsopfern zwischen 1580 und 1830 in Frankreich lässt Raum für Spekulation über die Gründe. Die häufigen Kriege mögen ein Grund sein, denn Kriegs- und Notzeiten waren dem Wolf immer zuträglich.

Historische Quellen zu Wölfen in Kriegszeiten: https://de.wikisource.org/wiki/Kriege_und_Raubtiere

Forstmeister a.D. Helmut Mattke führt in seiner Abhandlung "Auf uralten Wolfspässen" (Sammelband Nord-deutsche Forst-und Jagdgeschichte, WAGE-Verlag, 2000) auf der Grundlage von amtlichen Statistiken ab dem 18. Jahrhundert bis heute, sowohl nachgewiesene Fälle von menschlichen Opfern, als auch die hohen Haus- und Weidetierverluste in Europa auf, z.B. betrugen die Tierverluste allein im Jahr 1823 im Baltikum/Livland: 15.182 Schafe, 4.190 Schweine, 3.270 Ziegen, 1.807 Rinder, 1.841 Pferde, 1.873 Gänse und 713 Hunde.

Viele weitere Beispiele mit beträchtlichen Zahlen reichen bis in die 1970er Jahre der Gegenwart. Nach der Zurückdrängung der Wölfe in Westeuropa sank die Zahl der menschlichen Opfer bis auf wenige Fälle.

Je mehr man sich in diese Zahlen vertieft, je rätselhafter werden die Motive der Wolfapologeten und vor allem deren Aggressivität. (Tatsächlich wurde der Verfasserin dieser Zeilen auf einer Seite im Internet für die Publizierung von faktisch korrektem Zahlenmaterial Prügel angedroht.) Warum regt sich niemand darüber auf, dass das Wisent, im Gegensatz zum Wolf, tatsächlich kurz vor dem Aussterben steht? Warum nicht über die Bilder von gerissenen oder - schlimmer - lebend angefressenen Schafen, Rindern oder Pferden? Auch Hunde wurden schon gerissen. Allzu viele Schäfer haben bereits aufgegeben und Rinderhalter von der - tierfreundlichen - Weidehaltung Abstand nehmen müssen.

NiedersächsicheWeidetierhalter legen tote Tiere vor den Landtag ab. Quelle: Agrarheute.

Mai 2018: Mehr als 40 Schafe im Schwarzwald getötet.
Nein, mit anderen Kreaturen hat man kein Mitleid. Die Legende vom schnell mit Kehlbiss tötenden Wolf ist eben das - eine Legende und die Forderung nach Herdenschutzhunden ist zynisch in ihrer Realitätsferne. Diejenigen, die effektiv wären, wären wiederum eine Gefahr in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft - das sind keine Bählämmer - von den untragbaren finanziellen Belastungen für die Tierhalter einmal abgesehen. Es ist ja auch schon eine lukrative "Herdenschutzhund"-Nachzuchtindindustrie entstanden. Gutes zu tun und dabei noch zu verdienen wird ja immer wieder gerne genommen.

Kalb - kein Kehlbiss.

Hund - zweifelhafter Kehlbiss.

Reh - kein Kehlbiss.

Esel. Und nein, Mitleid hat man nicht.

Esel, heißt es in gewissen Kreisen, vermögen die Schafe vor Wolfsangriffen zu schützen.
Sie werden gerne so dem Götzen Wolf geopfert.
Ich enthalte mich eines weiteren Kommentars, Kinder könnten hier mitlesen.

Wieso das alles von den Wolfsfreunden bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls geleugnet wird, darüber kann man nur spekulieren. Die meisten von ihnen dürften auch "Naturschützer" sein, aber auch Schutz und Erhaltung der Deiche durch Schafe oder der Almen, die ohne Weidetiere verkarsten würden, geht ihnen an ihrem grünokologischen Hintern vorbei.

Fest steht, es gibt für sie Tiere erster und Tiere zweiter Klasse. Immer wieder findet sich auch das Mantra vom Menschen, der "das schlimmste Raubtier" sei. Ist es verständlich, dass ich diesen Leuten dann einen Moment lang wünsche, dass sie sich in einer Steinzeithöhle wiederfinden mögen, ohne Bildung, ohne Kultur, ohne Architektur, ohne Musik oder Malerei, ohne Philosophie und Literatur und vor allem ohne Hygiene und medizinische Versorgung?

Darauf antwortet die Biologin Eva Nessenius mir:
"Das erste, was sie sehr bald tun würden, wäre das, was die Steinzeitmenschen auch getan haben: Die Raubtiere so bejagen, dass sie nicht in die Nähe ihrer Wohnhöhlen kommen."
Genau! Womit wir es hier zu tun haben ist - auch - Wohlstandsverwahrlosung.

Stefan Fügner gibt dem Ganzen in seinem Jagdblog folgende Interpretation:
Der Misanthrop ist in der Regel ein schwacher Mensch ohne großes Durchsetzungsvermögen. Er macht für seine Ausgrenzung und das Gefühl des Alleingelassenseins immer seine Mitmenschen verantwortlich, aber nie sich selber. Er sucht als schwacher Mensch Verbündete, die ihm helfen, sich von dem erlittenen Leid zu befreien. Genau diese Charaktereigenschaften hat der Wolf:

Im Wolf vereinen sich alle Charaktereigenschaften, die dem Misanthrop fehlen und für die er sein gesellschaftliches Scheitern verantwortlich macht. Der Wolf ist aus seiner Sicht stark, wild, frei, klug, rücksichtslos, durchsetzungswillig und -rächt sich nun für sein durch den Menschen erlittenes Unrecht. Für den Misanthropen ein geradezu idealer Verbündeter und ein Vorbild gegen die verhassten Mitmenschen! Mit Tier und Naturschutz hat das alles sehr wenig zu tun.
Werden diese Leute Verantwortung übernehmen, wenn die zweifellos hochintelligenten Wölfe, die schon lange gelernt haben, dass ihnen bei uns mangels Jagddruck nichts passiert, irgendwann auch einsehen, dass es einfacher ist, ein Kind vom Fahrrad zu holen, anstatt Wild nachzuhetzen oder einen hohen Weidezaun zu überwinden?

Ich bezweifle es.



Für das weitere Zahlenmaterial: https://www.wolf-nein-danke.de

Addendum:
Der Bund der Steuerzahler in Deutschland e.V.  berichtet auf seiner Webseite:
Ein Krankenwagen für Wölfe

Hannover. Der Wolf ist zurück in Teilen Niedersachsens. Schon im Juli 2015 nahm daher offiziell das Wolfsbüro seinen Dienst beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf. Landesweit dienen seitdem eigens berufene Wolfsberater als ehrenamtliche Ansprechpartner für Tierhalter, Jäger sowie interessierte Bürger. Sie erfassen zudem die örtlichen Wolfssichtungen, um die Ausbreitung der Tiere genau im Blick zu haben. Dazu gehört auch die Aufnahme von Verkehrsunfällen, bei denen eines der unter Naturschutz stehenden Tiere zu Schaden gekommen ist.

Um die Arbeit der Wolfsberater noch weitreichender zu unterstützen, nahm die Region Hannover im Januar 2017 einen bundesweit bis heute einmaligen Spezialanhänger in Betrieb, mit dem die bei einem Unfall verletzten Wölfe zur weiteren Versorgung abtransportiert werden können.

Um dabei Mensch und Tier zu schützen, wurde das auf einem Hundeanhänger basierende Fahrzeug speziell an seine Aufgabe angepasst. Der Anhänger verfügt über wildtiersichere Innenwände, ein Transportbrett mit Fixiergurten, Stabschlingen und Netze zum Einfangen der Tiere, Bissschutzhandschuhe, einen Maulkorb und sogar eine Heizdecke für die verletzten Tiere. Um die Verkehrssicherheit an der Unfallstelle zu gewährleisten, ist der Anhänger zudem mit verschiedenen Beleuchtungseinrichtungen versehen. Diese Spezialanfertigung hat seinen Preis: Fast 11.000 Euro hat die Region Hannover für den Anhänger ausgegeben. Sie wollte ihn bei Bedarf auch den Nachbarlandkreisen Celle, Nienburg und Heidekreis zur Verfügung stellen.

Genutzt wurde der Anhänger seit seiner Anschaffung allerdings kein einziges Mal, da es keine Einsatzmöglichkeiten gibt. So kam es in der Region seit Inbetriebnahme lediglich zu zwei Unfällen. In beiden Fällen kam der Wolf bei dem Unfall zu Tode. Auch in den Nachbarlandkreisen gab es kein Ereignis, bei dem der Anhänger von Nutzen gewesen wäre.

Der fehlende Bedarf hat sich dabei schon vor der Anschaffung abgezeichnet. In den zwei Jahren vor der Anschaffung dokumentiert der NLWKN lediglich einen einzigen tödlich verunglückten Wolf in der Region Hannover. Über die geringe Anzahl von Unfällen darf sich der Wolfsfreund durchaus freuen, ärgern kann sich hingegen der Steuerzahler. Er hat 11.000 Euro für die Anschaffung eines Spezialanhängers bezahlt, von dem bereits im Vorhinein klar war, dass er kaum zum Einsatz kommen würde.


Foto: Marcus Prell
Der BDST konzentriert sich - verständlicherweise - allein auf den finanziellen Aspekt. Ich fühle mich dadurch allerdings in meiner ethisch-moralisch begründeten Sicht bestätigt.

Nichts symbolisiert den Abgrund, in den unsere Gesellschaft geraten ist, pointierter als DAS! Kinder sterben, weil Intensivstationen mangels Geldes unterbesetzt sind, aber die Stimmen der Wolfsfreunde sind halt wichtiger für die Politik. Tote Menschen können ja nicht mehr wählen.

Es beweist auch meine Theorie, dass es für diese "Tierfreunde" Kreaturen erster und zweiter Klasse gibt (der Mensch gehört eh nicht in den Rang der "Kreaturen"). Warum kein "Krankenwagen" für Rotwild, für Sauen, für Rehe? Geld ist ja offenbar genug da.

Dazu kommt noch, dass dem Wolf damit kein Gefallen getan wird. Ich mag mir nicht ausmalen, welchen Stress eine solche Prozedur für ein wildes Tier bedeuten würde. Der Wolf, ein Tier, weiß nichts von seinem Tod. Es wäre FÜR IHN viel gnädiger, ihn zu erlösen. Es zeigt auch, was für ein Wahnsinn diese Wiederansiedlung ist. In einem dichtbesiedelten Land mit einer engen Verkehrsinfrastruktur MUSS doch dauernd einer totgefahren werden. Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die auf den Gräbern der toten Wölfe tanzt. Mir zerreißt es das Herz, mir tut jeder totgefahrene Wolf, der leiden musste, leid. Er konnte nichts dazu. Aber ich bin ja auch kein "Tierfreund".

Genie und Wahnsinn

Die genialen Wahnsinnigen (oder meinetwegen wahnsinnigen Genies), um die es hier gehen wird, sind Russell Terrier - und zwar in der Kunst.

Die Entstehungsgeschichte dieser Rasse wurde in diesem Blog bereits hier thematisiert, daher nur: der Begründer der Rasse, Pfarrer John "Jack" Russell, war genauso verrückt wie die Hunde, die bis heute seinen Namen tragen. (Ich habe selbst zwei davon, aber bitte keine dummen Bemerkungen - zumindest, was "Wahnsinn" anbelangt.)

"Weiße Terrier" waren und sind beliebte Objekte für Maler. Vielleicht, weil Farbe und Zeichnung  attraktiv sind, vielleicht auch, weil ihr meist kurzes Fell ihren Gesichtsausdruck besser offenbart, als bei langhaarigen Rassen. Man kann diesen Blick in vier Kategorien aufteilen: wachsam-kritisch no-nonsense, "braver Hund", wenn sie etwas wollen, irre, wenn sie etwas Jagdbares sehen und einfach müde. Selbstverständlich ist die "Braver-Hund"-Miene ihrem außergewöhnlich stark entwickelten schauspielerischen Talent zu verdanken.

Besonderen Spaß machen mir immer die Bilder, die Terrier bei der Arbeit zeigen.

Manche Bilder, vor allem die aus der Viktorianischen Stilepoche, sind etwas süßlich, bei manchen sagt man: "Ja, so sieht ein Terrier aus", aber mehr auch nicht. Und manche bekommen es halt genau hin und erfassen die Seele des Hundes.

Dies ist eine Zusammenstellung von Bildern und kleinen kunsthandwerklichen Gegenständen, die mir gefallen. Die Reihenfolge spielt keine Rolle.

Notabene: in alten Darstellungen findet man auch Terrier, die eindeutig dem Typ des Russell Terriers entsprechen, als Foxterrier bezeichnet oder solche, die lange vor der Zeit des alten Pfarrers im Bild festgehalten wurden. Die Bezeichnung "Jack (oder Parson) Russell Terrier**" ist neueren Datums. Der Foxl unterscheidet sich heute auf den ersten Blick durch das Fehlen des "Stops", des Übergangs von Nasenwurzel zu Schädel, etwa in Höhe der Augen. Beim Russell Terrier ist er steil ausgeprägt, beim Foxl praktisch nicht vorhanden. Wann genau die "offizielle" Trennung zwischen den beiden Rassen stattfand, weiß ich nicht.

Bei diesem Bild von Arthur Wardle (1860–1949), "No One Home",
dürfte es sich, zumindest bei dem Hund rechts, tatsächlich, man beachte den fehlenden "Stop",
um Foxterrier handeln.
Was auch immer! Erfreuen Sie sich einfach an den Bildern.

Die legendäre "Trump" des John Russell. Das Bild wurde vom Fürsten von Wales (später Edward VII) in Auftrag gegeben, rund 40 Jahre nach dem Tod der Hündin. Es hängt heute noch in der Sattelkammer von Sandringham. Der Künstler ist mir unbekannt.

Hunde des Russell-Typs in einer zeitgenössischen Darstellung:
John Emms (1844 bis 1912), "Acht Drahthaar-Foxterrier [sic!] im Zwinger"

Sir Edwin Landseer (1802 - 1873), "Jocko with a Hedgehog".
Meine verrückte Kleine als Beispiel, wie sich der Typ seit mehr als 100 Jahren erhalten hat.

Arthur Wardle (1860–1949), der Titel des Gemäldes ist mir unbekannt.
Zwei Russell Terrier ("Stop"!), einer glatt-, einer rauhhaarig, bei der Arbeit.

John Fitz Marshall (1859 - 1932), "Gamekeeper's Companion".

Alfred Wheeler (1852 - 1932), "Two Fox Terriers" [sic!].
Man beachte den kritisch-wachsamen Blick, der diesen Hunden zu
eigen ist.

Arthur Wardle (1860–1949), "Smooth Haired Fox Terriers [sic!]
at a Rabbit Hole".

George Armfield (1810–1893), "Terriers Ratting".

H.T. Dicksee (1862-1942), "Closed Door".

John Emms (1844 bis 1912), "Smooth Haired Fox Terrier Richmond Jack".
Eindeutig ein Russell ("Stop"!) Diese Bemuskelung!

John Emms (1844 bis 1912), "Dogs Watching Bathers".
Landseer und Russell Terrier.
Es kann auch schief gehen. Nachdem sie jahrelang friedlich
zusammengelegen hatten, kam es zu einem Kampf auf Leben und Tod,
den - wer hätte das gedacht - der Terrier angefangen hatte.
Ich musste mich von dem Deutsch Kurzhaar trennen, der Terrier
hatte ältere Rechte. Es war schrecklich.
(Man beachte den unentspannten Blick des Terriers. Ich hätte es
wissen müssen.)
;
Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "Left in Charge".
Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. ("Der Blick"!)

Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "By the Hearth".

Philip Eustace Stretton (1865 - 1919), "In the Lap of Luxury".

George Stubbs (1724 – 1806), "Bay Horse and White Dog".
Hier haben wir also einen weißen Terrier lange vor der Zeit
des Pfarres John Russell.

William Elsob Marshall (1859 - 1881), "Terrier in a Landscape".

Arthur Wardle (1860–1949), "Terriers at a Riverbank".
An solchen Ufern gibt es immer etwas Interessantes,
Ratten, Otter... Weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.

Zum Abschluss der Bilderreihe, je ein Portrait meiner Terrier. Mit etwas Glück finden sich auch heute gute Tiermaler.

Sonja Herrmann hat Jack genial wiedergegeben.
Der irre Blick ist unverkennbar.

Bettina Balczulat hat meine verrückte Kleine
perfekt eingefangen. Sie kennt nur zwei
Gesichtsausdrücke: jachtig irre und lieb. Sie ist
eben anders als andere Hunde.


Hier verlassen wir das Reich der Kunst und begeben uns in das des Kunsthandwerks. Ob und wo hier die Grenze zum Kitsch überschritten wird, mag ich nicht zu entscheiden. Es haben eh nur geschmacksunsichere Leute ein Problem damit. Mir gefallen sie.

Dieser Silberschmied hat den irren Blick perfekt hinbekommen!

"Braver Hund"! Er möchte vermutlich eine Eiswaffel*.

Border Fine Art: Zwei Russells beim Ausgraben des Fuchses.

Border Fine Art: Er möchte eine Eiswaffel*.

Border Fine Art: Sie haben etwas Spannendes entdeckt.

Border Fine Art, "Marking His Territory", die Lieblings- und nie endende
Tätigkeit meines Jacks. Er tut es ÜBERALL und in einem Zeitabstand
von gefühlten 10 Sekunden. Wo er ist, ist sein Territorium.



*Die "Eiswaffel" ist eine Anspielung auf eben diesen Jack. Dafür macht sich der größte Held und Macho aller Zeiten gerne schon 'mal zum Affen.

**Auf den verwirrenden Unterschied zwischen Parson-, Parson Jack- und Jack Russell Terrier gehe ich hier nicht ein. Bei uns ist der Parson die vom JGHV (der jagdkynologischen Dachorganisation) anerkannte Rasse, in England und Amerika ist er der "Schauhund" und der Jack der urtümliche Jagdbegleiter.

Wir haben in unserem anderen Blog schon einmal Terrier in der Kunst thematisiert.


Gutmenschenempathie

Kennen Sie auch Leute, die Hunde aus süd- oder osteuropäischen Hundeelendsländern geholt haben und sie dann lustig jagen lassen? Fifi muss sich schließlich selbst verwirklichen und auch mal Spaß haben können, schließlich hatte er eine schwere Jugend. Die sind übrigens erstaunlich oft gegen die Jagd - das heißt, wenn sie denn durch Jäger, die durch ein rigoroses Prüfungssystem gegangen sind, tierschutzgerecht und im Sinne der Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Wildfauna, ausgeübt wird.

Pfui Teufel! Das könnte ja Spaß machen und Deutsche tun alles nur aus den allerernstest- und -edelsten Motiven, auch und vor allem das Hundehalten.

Mit 8 Wochen schon ein Kindersoldat!
Meinen ersten Hund habe ich mir nicht aus einem der bekannten Hundeelendsländer geholt, sondern von einem seriösen Züchter jagdbetonter Terrier auf der Britischen Insel, wofür ich mir eine Bemerkung eingehandelt habe, wie die, dass man doch gedacht habe, dass ich einem "armen Hündchen aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben" hätte. So sieht Gutmenschenempathie halt aus.

Nun ja, zum Tierpsychiater, zur Veterinärkrankenschwester oder zum edlen Samariter habe ich mich nie berufen gefühlt, ich wollte - Pfui Teufel und so ganz undeutsch - einfach Spaß an und mit dem Hund haben, auch ohne unbedingt Gutes dabei zu tun, daher hielt sich mein schlechtes Gewissen in engen Grenzen.

Warum von der Britischen Insel? Zuerst weil man für Köter dieser Rasse hier ein Vermögen bezahlt und ich für das, was der kleine Kerl gekostet hat, nicht einmal besuchsweise die Nase in einen einschlägigen deutschen Zwinger hätte stecken dürfen, dann weil die Briten gute Hundeleute sind und dann, weil ich dort eine Freunde-Infastruktur habe, die mich ja auch letztlich zum Ziel geführt hat. Jagdliche Erwägungen habe ich, wie gesagt, damals noch nicht angestellt. "Papiere" waren für mich nicht von Bedeutung.

Nach erfolgreicher Brauchbarkeit. Foto: Privat.
Als ich dann entdeckte, dass der Hund gerne jagen wollte und extrem wasserfreudig war, musste ich das in vernünftige (und legale) Bahnen lenken, was hieß, den Jagdschein zu machen, etwas, woran ich nie großes Interesse gehabt hatte. In Nordrhein-Westfalen, wo ich damals lebte, konnte man die Brauchbarkeitsprüfung mit papierlosen Hunden ablegen, die phänotypisch - also ihrem äußeren Erscheinungsbild nach - einer Jagdhunderasse entsprachen.

Dann zog ich um nach Sachsen und hatte ein Problem. Dort wurden zur Brauchbarkeitsprüfung nur Hunde zugelassen, die Papiere eines vom JGHV (der jagdkynologischen Dachorganisation) anerkannten Zuchtverbandes hatten.

Ich bin also Mitglied in dem entsprechenden Verein geworden, habe den Hund dort erfolgreich phänotypiseren lassen, sodass er "Papiere" ausgestellt bekam. Daraufhin habe ich noch, obwohl ich das nicht gemusst hätte, den Wesenstest dieses Clubs mit dem Hund (dabei werden Nervenstärke, jagdliche Grundeignung und freundliche Disposition dem Menschen gegenüber geprüft) abgelegt. Übrigens sehr erfolgreich - hat uns beiden Bombenspaß gemacht.

Der Ernst des Lebens begann mit der Prüfung für Bauhunde in der Schliefanlage. Schliefanlagen sind standardisierte künstliche Fuchsbauten (nicht zu verwechseln mit Kunstbauten), die viele Schikanen enthalten, denen ein Hund bei der Baujagd ausgesetzt sein kann. An einer Seite befindet sich ein "Kessel" mit einem lebenden Fuchs. Er ist durch einen gitterartigen "Schieber" von dem Hund getrennt. Der Hund muss schnell seinen Weg zum Kessel finden und den Fuchs, dem dabei nichts passieren kann (und der das auch weiß), bedrängen. Davon, ob er und wie energisch er das tut, hängt das Resultat seiner Bauprüfung ab. Weitere Einzelheiten sind in diesem Zusammenhang uninteressant.

"Ja, ich seh Dein Ohr!" sagte der Richter bei der Zuchtzulassung. Er meinte das krumme Ohr auf der hier nicht sichtbaren Seite. Das anbiedernde Wedeln hat dem Kerl zwar nichts genützt, aber es hat so grade noch gereicht.
Die Ausbildung in der Schliefanlage ist unabdingbar für die Sicherheit des Hundes bei seinem späteren Baujagdeinsatz. Die Schliefenfüchse sind in Gefangenschaft geboren, dürfen nur paarweise gehalten werden, damit sie auch Sex haben können, müssen Klettermöglichkeiten haben (ja, Füchse klettern gerne) und werden bestens ernährt, der Kessel muss gekachelt sein, damit hygienische Verhältnisse gesichert sind. Mit anderen Worten: sie haben es besser als viele Menschen. Diese Füchse kennen ihren Job genau und wissen, dass ihnen nichts passiert. Sie können in Ruhe alt werden und sterben eines natürlichen Todes. Dennoch kann man auf "Tierschützer"-Seiten lesen, dass diese Füchse nach der "Jagdsaison" den Hunden "zum Zerreißen" vorgeworfen werden, deswegen wird man auch schon 'mal bei einer Schliefanlage von Passanten liebevoll  "Fuchsquäler" tituliert, auch werden diese gerne einmal abgefackelt. Gutmenschen sind zwar immer gut, aber fast nie ehrlich.

Danach kam die Brauchbarkeitsprüfung für Schweiß und Stöbern in Sachsen, die wir in der Lausitz erfolgreich abgelegt haben. Dabei wurde der Sichtlaut des Hundes bestätigt, d.h. er gibt beim Anblick von Wild laut - vulgo: er bellt. Ich habe ihn auch spurlaut jagen sehen (der Spurlaut, wobei der Hund laut der Spur des Wildes folgt, ist wertvoller als der bloße Sichtlaut), aber beide Arten des Lautes müssen von einem Richter des JGHV bestätigt werden, und es war keiner anwesend.

Müde aber glücklich nach einer Drückjagd.
Ich habe ihn sogar erfolgreich auf einer Zuchtschau vorgestellt, obwohl mir klar war, dass zu einem Phänotyphund ohne nachweisbare Abstammung, richtigerweise, niemand zum Decken kommen würde. Aber da er so eine kleine Aufmerksamkeitshure ist, habe ich ihm den Gefallen getan. Er hat es genossen und es war ein schöner Tag.

Wenn ich sehe, mit welcher Freude der kleine Kerl bei der Jagd und den Übungstagen bei der Sache war (er ist auch ein Genie an Sauen, obwohl die Hunde auf den Britischen Inseln - dort gibt es ja keine - nicht dafür gezüchtet werden) war ich immer froh, diese Ochsentour absolviert zu haben.

Und wenn jetzt zur Setz- und Brutzeit wieder die grauenerregenden Nachrichten und Bilder des von wildernden Hunden gerissenen Wildes hereinkommen, dann denke ich, dass es für Gutmenschen nicht nur zwei Sorten von Menschen - sie selbst und die anderen - gibt, sondern auch zwei Sorten von Tieren, die, mit denen man Mitleid hat - und die anderen.

Der kleine Drecksköter wird in einigen Tagen 14 Jahre alt, ist kerngesund und vital wie ein junger und hat mir - Pfui Teufel! - nur Freude bereitet, und die Samariter können mich mal kreuzweise.

Ich bin halt ein Egoist und das ist auch gut so.

 "Wo ist die Ente?" Der Hund mit 13 Jahren.

(22.03.2018)

Bellobinsen

Kein Lebensbereich, so scheint es, bleibt von der Binse verschont, warum sollte die Hundewelt dagegen immun sein. Betroffenheitsdeppen, Deeskalations-Friedensfuzzis, Gleichheitshysterikerinnen beider Geschlechter, Noblewildeversteher, Neidgeplagte, Asozial-Antiautoritäre und einfach nur Doofe. Ich SCHWÖRE, das ist alles so zu mir gesagt worden. Hier meine gesammelten Blüten:

"Hahaha!"
Das Herrchen des Landseers, der mich angesprungen hatte und es war extrem matschig da unten und echt total lustig.

"Unser Hund ist gefährlich."
Frauchen lief von der Last eines quer getragenen Baumes ("Ast" würde diesem Trumm nicht gerecht werden) gebückt vor Herrchen her, das den Hund an der Leine führte und warnte alle Entgegenkommenden. (Die Terrier nahmen das zum Anlass, daran zu schaukeln. Fanden sie lustig.)

"Die machen das schon unter sich aus." (Unausgesprochen)
Die Leute, die einfach weitergingen, als ihr weißer Schäferhund aus dem spanischen Tierschutz meinen Terrier am Boden festgenagelt hatte, obwohl er sich unterworfen hatte. Tiefes Loch im Hals. Die Tierarztrechnung habe ich noch lange vergeblich mit mir 'rumgetragen. So viel zu den "natürlich sozialisierten" Hunden aus Hundeelendsländern. Mehr siehe hier.

"Die [vorher in Rudeln freilebenden] Hunde aus Spanien/Portugal/Griechenland/Osteuropa [die keinen Menschenkontakt kennen und die man dann in deutsche Wohnungen verpflanzt] sind alle ganz toll natürlich sozialisiert."

"Wir haben keine Angst, aber Kinder könnten sich davor erschrecken."
Als meine winzige, 12-Wochen-alte Kleine (ausgewachsen später kolossale 6 kilo schwer) überraschend aufgetauchte Spaziergänger auf einem Waldweg piepsend ankläffte.

"Das ist ja unglaublich!"
Das Herrchen eines eingestandenermaßen bissigen Hundes, welches versuchte, meine Terrier durch das Auf- und Zuklappen seines Regenschirmes zu verscheuchen, was die klasse fanden und mich zu der Antwort veranlasste, dass "unglaublich" nur sei, dass er mit seinem Köter nicht auf die entfernte Seite des breiten Ruhrufers gegangen sei.

"Ihr pisst alles voll, Ihr kackt alles voll ..."
Ein Angler an der Ruhr zu meinen Terriern, die das zum Anlass nahmen, sich vor ihm aufzubauen und kräftig anzukeifen. Wahrscheinlich hielten sie es für ein neues Spiel. In diesem Fall muss ich sagen, ich konnte den Mann verstehen. Er hatte recht.

"Lassen Sie ihn doch. Er darf mich ruhig anspringen. Er freut sich doch."

"Hach sind Sie brutal!"
Wenn man den Hund "Down" machen lässt. Ich war schwer versucht, den jungen und extrem lebhaften Hund abzuleinen und ihn das tierärztliche Wartezimmer spontimäßig aufmischen zu lassen.

"Sie üben die ganze Gewalt des Menschen über den Hund aus."
Bei eben dieser Gelegenheit. Hätte der Hund die ganze Gewalt des Hundes über den Menschen ausgeübt, wäre das aber okay gewesen.

"Warum darf Ihr Hund denn nicht bellen? Das ist doch ein Hund. Der muss doch bellen."

"Hunde sind wie Kinder."

"Hunde wissen genau, wer es gut mit ihnen meint."
Hat Blondie auch gewusst.

"Ich lasse für meine Hunde vegetarisches Futter aus Amerika kommen."

"Kaninchenmörder!"

"Fuchsquäler!"

"Aus welchem Tierheim hamse den?"
Rassehunde sind bäh!

"Und ich hatte gehofft, dass Du einem armen Hündchen aus dem Tierheim ein Zuhause gegeben hättest."
Sowas macht Freude, vor allem wenn man sich soeben seinen ersten Hund angeschafft hat. Gutmenschenempathie halt.

"Ist der auch kastriert?"
Betonung auf "kastriert". Männliche Sexualität muss so weit wie möglich eingedämmt werden, läufige Hündinnen dürfen aber ganze Hundewiesen verstänkern. Genau wie im richtigen Leben.

"Aber mein Hund hat doch noch Welpenschutz."
Einen Schmarrn hat der. Das gilt nur im Rudel.

"Jäger schränken meine Freiheit ein, weil ich mich nicht mehr mit dem angeleinten [haha] Hund in den Wald traue."

"Ich habe meinen Hund vom Bauern, weil die [seriösen] Züchter verdienen damit viel zuviel."
Ja, viel zu verdienen ist bäh. Übrigens: Als ich den Züchter meines Vorstehhundes kennenlernte, hatte er eine in der Zucht stehende Hündin, zwei alte Damen, die liebevoll zu Tode gepflegt wurden und von denen eine ihm nie einen Wurf gebracht hatte, sowie zwei Nachwuchshündinnen. Heute, nach 8 Jahren, ist die Konstellation wieder ähnlich. Noch Fragen?

"Jagdhunde sind bei Nichtjägern viel glücklicher."

 Und hier noch vier, nicht über Hunde:

"Ich habe nichts gegen die Jagd an sich, nur gegen Hobbyjäger."
Weil die könnten ja Spaß daran haben.

"Über die Jagd wird noch mehr gelogen, als über den Krieg."

"Die Natur würde sich schon von selber regeln."

Und als Glanzstück:

"Mir hat noch kein Fuchs was getan."

Eine westfälische Legende

Die jagdkynologischen Informationen über Friedrich von Schorlemer-Alst im Internet sind spärlich und widersprüchlich. Wir bedanken uns daher ganz herzlich bei Reinhard Freiherr von Schorlemer. Baron Schorlemer hat mit seinen Informationen wesentlich zur Entstehung dieses Artikels beigetragen und auch dieses Bild zur Verfügung gestellt.
Friedrich Antonius Aloysius Mamertus Hubertus Maria Freiherr von Schorlemer-Alst (1854 - 1934) gilt als "Vater" des Deutsch Langhaarigen Vorstehhundes. Alljährlich veranstaltet der Deutsch-Langhaar-Verband die nach ihm benannte Schorlemer-Herbstzuchtprüfung.

Noch heute erinnert man sich in der Familie an ihn als begeisterten Jäger und Hundemann und so war er auch neben seinen anderen Interessen und Ämtern Vorstandsmitglied des Deutschen Jagdschutzvereins.

Friedrich von Schorlemer-Alst entstammte dem westfälischen Uradelsgeschlecht Schorlemer. Seine Eltern waren Burghard von Schorlemer-Alst und Anna Freiin von Imbsen, verwitwete Gräfin Droste zu Vischering, und hier beginnt ein spannender Ausflug in die Geschichte Westfalens.

Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (1825 - 1895) war der Gründer des "Westfälischen Bauernvereins", Initiator der ländlichen Genossenschaftsbewegung in Westfalen und damit einer der Wegbereiter bäuerlicher Interessen über Westfalen hinaus. Bei aller politischen Neutralität des Bauernvereins, war Schorlemer-Alst eine politische Kämpfernatur. Als Vorsitzender der Zentrumspartei im Preußischen Landtag und Reichstagsabgeordneter, war er während des preußischen Kulturkampfs ein exponierter Gegner Bismarcks.

Landrat von Schorlemer zu Pferde.
Friedrichs Onkel Wilhelm (1821 - 1884) war preußischer Offizier, Landrat und Politiker der Zentrumspartei. Im Zuge des preußischen Kulturkampfs beantragte er 1875 die Entlassung aus dem Staatsdienst.

Der Spannungen zwischen der katholischen Familie Schorlemer (und anderer adliger katholischer Familien Westfalens) und der preußischen Obrigkeit ist ein prägender Teil der Geschichte des Landes, das nach dem Wiener Kongress 1815 preußische Provinz wurde.

Nach dem Abitur am 24. März 1874 am Gymnasium Rheine studierte Friedrich von Schorlemer zunächst an der Akademie Münster Philosophie und an den Universitäten Würzburg und Göttingen Jura. Im Juli 1878 legte er die Prüfung zum Gerichtsreferendar beim Appellationsgericht in Köln ab und erhielt eine Anstellung am Kreisgericht Burgsteinfurt.

Am 8. April 1880 heiratete er in Münster Wilhelmine von Hartmann. Die Ehe blieb kinderlos.
Bevor er 1896 zum Landrat von Ahaus ernannt wurde, war er in der Verwaltung mehrerer großer Güter tätig. Seine landwirtschaftlichen Interessen verband er mit Auslandsreisen, z.B. nach Spanien, Italien, England, Frankreich, Österreich, Ungarn und Russland. Bei Erreichen der Altersgrenze wurde er 1920 aus dem Staatsdienst entlassen.
 
Haus Alst bei Horstmar, das von 1852 bis 1935 im Besitz der Familie Schorlemer war.
Eine weitere wichtige politische Funktion war seine Mitgliedschaft im westfälischen Provinziallandtag. Provinziallandtage wurden in Preußen 1875 gebildet. Sie waren mit eigenen Finanzen und eigenem Aufgabenkreis (Staatschausseen, Sozialfürsorge, Melioration, Förderung von Wissenschaft und Kunst, Wohnungs- und Siedlungswesen) Körperschaften des Öffentlichen Rechts. Auch trug die Tatsache, dass sie öffentlich tagten, zu ihrem Ansehen und ihrer Wirkung bei.

Zu Friedrichs Funktionen und Ehrungen gehörten die Mitgliedschaft im landwirtschaftlichen Verein der Provinz Westfalen, die Vorstandsmitgliedschaft im westfälischen Bauernverein und der im Deutschen Jagdschutzverein. Er war Vorsitzender des Pferdezuchtvereins für das nördliche Münsterland, Direktor des landwirtschaftlichen Kreisvereins Ahaus, Aufsichtsratsmitglied des Elektrizitätswerks Westfalen, Aufsichtsratsmitglied der Westfälischen Landeseisenbahngesellschaft, Träger des Roter Adlerordens IV. Klasse und des Kronenordens III. Klasse, des Eisernen Kreuzes II. Klasse am weiß-schwarzen Band, Geheimer Regierungsrat, preußischer Kammerherr; Mitglied des Malteser-Ordens und päpstlich Geheimer Kämmerer.

"Chien Couchant A Poil Raz."  Lithographie nach J. Volmar, ca 1860.
In Jägerkreisen ist er als die wahrscheinlich einflussreichste Persönlichkeit bei der Entstehung des Deutsch Langhaars, wie wir ihn heute kennen, bekannt. Dessen Vorfahren, die dem heutigen Typ schon recht ähnlich sehen, kann man schon auf alten Jagdgemälden und Gobelins aus dem späten Mittelalter bewundern. Diese Hunde wurden überwiegend als Vogelhunde für die Beizjagd, aber auch für das "Tirassieren", dem Fang von Niederwild in Netzen, eingesetzt. Eine Vielfalt von Schlägen war an ihrer Entstehung beteiligt. Mit der Entwicklung leichterer Schusswaffen, die das Erlegen von Flugwild erlaubten, fand eine verstärkte Selektion der Hunde auf ihre Vorsteheigenschaften statt. Die Franzosen entwickelten den "chien couchant", den "liegenden Hund", Épagneuls genannt. Aus ihm entwickelten die Engländer den Setter. Beide Rassen sind an der Entstehung des Deutsch Langhaar beteiligt.

Ende des 19. Jahrhunderts erkannte man, dass ein einheitlicher Rassestandard Not tat, und so trafen sich 1879 in Hannover während einer Ausstellung, die vom Vereins zur Veredelung der Hunderassen veranstaltet wurde, einflussreiche Kynologen, um einen solchen Standard festzulegen.

1893, nur einige Jahre nach Beginn der Reinzucht der Rasse Deutsch Langhaar, gründete Friedrich von Schorlemer-Alst den Club Langhaar, dessen Aktivitäten sich allerdings im Wesentlichen auf Westfalen und das Rheinland beschränkten. 1897 wurde als Reaktion darauf der überregionale Verein Deutsch-Langhaar gegründet. Dank des Einsatzes des passionierten Langhaar- und Jagdgebrauchshundemannes Schorlemer und seiner Mitstreiter, nahmen Zucht und Verbreitung der Rasse, von Westfalen ausgehend, stetigen Aufschwung. Mit entscheidend dabei dürfte auch die von Schorlemer initiierte Einführung von Gebrauchsprüfungen gewesen sein. Immer hat er die Bedeutung der Leistung betont, die nicht zugunsten des Typs vernachlässigt werden dürfe. Bereits vor dem Jahr 1933 schon gab es beim Club Langhaar 100 geschützte DL-Zwinger. Der Deutsch-Langhaar-Verband wurde als Dachverband erst im Jahre 1926 gegründet.

Der Deutsch Langhaar gilt als der klassische Försterhund.

John Russell, der jagende Pfarrer – Ein verrücktes Leben

John "Jack" Russell* wurde am 21 Dezember 1795 in Dartmouth, South Devon, als Sohn des Pfarrers John Russell und seiner Frau Nora Jewell geboren. Die Familie war in Devon seit dem 16. Jahrhundert ansässig. John der Vater, dessen Vater ebenfalls Pfarrer gewesen war, hatte wohlhabend geheiratet und John der Sohn eine unbeschwerte Kindheit.

John war eine eindrucksvolle und bekannte Persönlickeit in der Grafschaft Devon, und obwohl seine Gemeinde ihn verehrte, war er nicht einer derjenigen Geistlichen, denen es nur um das spirituelle Wohlergehen ihrer Schäfchen gegangen wäre. So lange er lebte, nahm Russell mindestens dreimal in der Woche an Fuchsjagden zu Pferde teil. Er hielt eigene Pferde und eine eigene Otterhund-Meute und durfte den distinguierten Titel** "Master of Otter Hounds" tragen.

Die Erziehung des Knaben John war typisch für die des Sohns eines anglikanischen Geistlichen im 19. Jahrhundert. Er besuchte Plympton Grammar School bis er 14 war, dann die Public School*** Blundell’s in Tiverton. Blundell’s School vertrat, bis heute nicht unüblich für Public Schools, eine spartanische Pädagogik. Die Schüler mussten um 7 Uhr morgens an ihren Tischen sitzen und es heißt, die Tinte in den Tintenfässern sei gefroren gewesen. Auf dem Lehrplan standen Lateinisch, Griechisch, die Naturwissenschaften und, für eine Extragebühr, Tanzstunden.

Die Meinung der Lehrer über den Pfarrerssohn war nicht ungeteilt positiv, hatte er doch zusammen mit einem Freund die Gelegenheit wahrgenommen, Kaninchen und Ratten mit den örtlichen Landwirten zu jagen. Foxhounds wurden angeschafft und Russell erwies sich als begabter Hundeausbilder. Allerdings wurden die beiden von einem Mitschüler "verpetzt". Der Freund musste die Schule verlassen, John kam mit Prügelstrafe davon. Was aus den Hunden wurde, ist nicht bekannt.

1814 immatrikulierte sich John am Exeter College in Oxford. Er verließ Oxford 1818 mit dem geringsten Abschluss, war er doch kein fleißiger Student gewesen und investierte, so heißt es, nur "minimal" in seine Studien.

John Russell zu Pferde mit seiner Meute und einem Terrier, James Loder (1784–1860).
Seine Interessen lagen woanders. Während seiner Studienzeit in Oxford entdeckte er seine Leidenschaft für Terrier. Er hatte mit den Foxhounds des Herzog von Beaufort**** und den Meuten von Bicester und Old Berkshire gejagt und dabei aufmerksam die Methoden der erfahrenen Masters of Hounds beobachtet.

In der Zeit des Jack Russell wurde "sport" gleichgesetzt mit Fuchsjagd zu Pferde, Jagen und Angeln - "Hunting, Shooting, Fishing" - und der junge Mann zeigte außergewöhnliches Talent beim Umgang mit Hunden und Pferden. Im 19. Jahrhundert kannte man noch keine eindeutig definierte Terrier"rassen", obwohl es schon Typunterschiede gab. In der Cynographia Britannica, erschienen um 1800, werden zwei Typen erwähnt: krummbeinige und solche mit graden Beinen. Ihre Farbe war meist schwarz mit braunen Abzeichen. Rote, braun-gelbe und gefleckte wurden ebenfalls erwähnt, Weiß war die von Jägern bevorzugte Farbe, da sie es leichter machte, Hund und Jagdbeute auseinanderzuhalten. Rute und Ohren waren kupiert. Ihr Temperament wurde beschrieben als "mürrisch, schlechtgelaunt, reizbar und aufmerksam", aber auch als "tapfer und intelligent".

Die legendäre "Trump". Das Bild wurde vom Fürsten von Wales in Auftrag gegeben, rund 40 Jahre nach dem Tod der Hündin. Es hängt heute noch in der Sattelkammer von Sandringham.
So muss der junge John Russell auch seine legendäre weiße Hündin "Trump" gefunden haben, denn er soll sie, ohne dass er sie je hätte jagen sehen, einem Milchverkäufer nahe Oxford vom Wagen weggekauft haben.

Dieser eher lässige Umgang beim Kaufen und Verkaufen von Hunden scheint typisch für ihn gewesen zu sein. Seine finanziellen Umstände zwangen ihn, seine Meutehunde mehrere Male zu verkaufen und dass er von Trump ausgehend eine Linie durchgezüchteter Terrier entwickelt hätte, ist ins Reich der Fabel zu verweisen. Tatsächlich kaufte er Hunde, die ihm gefielen, behielt sie, wenn sie gut arbeiteten und gab sie weiter, falls nötig. Geldsorgen überschatteten sein Leben immer.

Vater Russell gefiel das Benehmen seines Sohnes nicht. Er sorgte dafür, dass der junge John von der Straße weg kam und 1820 wurde der 27jährige vom Bischof von Exeter zum Priester geweiht.

Das Leben eines anglikanischen Landpfarrers im 19. Jahrhundert war nicht unbedingt arbeitsintensiv. Sein Tagebuch erwähnt immer wieder, dass er in der einen Tageshälfte Gottesdienste, Hochzeiten und Begräbnisse zelebrierte und in der anderen dem Fuchs zu Pferde nachstellte. Seine Vorgesetzten fragten sich daher auch, wie er die Energie dazu aufbringe, ganz zu schweigen von seinem lebhaften Handel mit Hunden und Pferden und seiner Leidenschaft für "Hunting Parties" nach der Jagd. Von Zeit zu Zeit wurde die Frage auch öffentlich gestellt, die Lokalpresse nannte ihn den "nutzlosen Pfarrer Jack Russell", aber das tat seiner Popularität keinen Abbruch, im Gegenteil. Die meisten seiner Gemeindemitglieder liebten ihn.

1826 heiratete Russell die 26jährige Penelope Incledon Bury, eine Admiralstochter aus einer alten Devonshire-Familie, deren Mutter nicht begeistert über die Wahl ihrer Tochter gewesen sein soll. Und obwohl die Ehe fast 49 Jahre dauerte, meinte ein Biograph, dass es offensichtlich gewesen sei, dass seine Frau niemals zwischen ihn und seinen Lieblingssport geraten sei. Zwei Jahre nach der Heirat hatte Russell bereits einen beträchtlichen Teil von Penelopes Vermögen ausgegeben.

1832 zieht der Pfarrer mit seiner Familie nach Swimbridge, Devon, wo er 40 Jahre lang Vikar***** an der St James Church bleiben wird.

Es ist bemerkenswert, dass die Rasse, die seinen Namen unsterblich gemacht hat, eine relativ geringe Rolle in seinem Leben spielte. Obwohl er 1873 einer der Gründer des Kennel Club war, hatte er kein Interesse an Schauen. Was er brauchte waren gute Arbeitshunde, wie sie aussahen spielte keine Rolle für ihn, und obwohl er für den Rest seines Lebens Mitglied des Kennel Club blieb, hat er nie seine eigenen Hunde ausgestellt. Ihm wird das Zitat "A dog with one short leg and three long ones is no eyesore - as long as it can work properly" – "Ein Hund mit einem kurzen Bein und drei langen tut dem Auge nicht weh - solange er ordentlich arbeitet" zugeschrieben.

"Jocko with a Hedgehog" von Sir Edwin Henry Landseer (1802 bis 1873) und eine Terrierhündin des Russell-Typs im Besitz der Autorin. Der Typ hat sich bis heute treu erhalten.
Ein Terrierman der Bicester Hunt, mit der auch John Russell gejagt hat. Das Foto stammt schätzungsweise aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Der Terrier des Jack Russell passte perfekt zu der Landschaft, der er entstammte, das rauhe, hügelige Gelände des "West Country". Diese Terrier konnten mit den schnellen Foxhounds mithalten, hatten eine Riesen-Ausdauer und waren intelligent. Ein verletzter oder müder Terrier wurde von Russell vor sich auf den Sattel genommen, in jeder anderer Hinsicht war er unnachgiebig. Von einem Hund, der nicht seinen Erwartungen entsprach, trennte er sich ohne Mitleid. Obwohl viele Jäger diese Terrier bei der Jagd auf Ratten oder Kaninchen einsetzten, tat Russell dies nur bei der Fuchsjagd. Der Pfarrer legte Wert darauf, dass seine Hunde den Fuchs nicht unter der Erde töteten oder ernsthaft verletzten, sondern ihn nur aus dem Bau sprengten, damit er über der Erde weiter gejagt werden konnte.

Der Fürst von Wales, später König Edward VII, lernt ihn 1873 kennen und lädt ihn ein zu einem Ball in Sandringham House. Jack tanzt bis 4 Uhr morgens und wird zur Weihnachtswoche erneut eingeladen. Der alte Schwerenöter charmiert Prinzessin Alexandra und tanzt hinein in das neue Jahr 1874 mit ihr.

Penelope Russell starb 1875 und sofort war John wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Reiche Freunde unterstützten und feierten ihn anlässlich einer riesigen Party im Landhaus des Herzogs von Bedford, auch ein Russell,****** enthusiastisch.

John Russell in einer zeitgenössischen Karikatur.
1879 gehen der Fürst von Wales und John Russell gemeinsam auf Hirschjagd mit 2000 berittenen und 9000 Teilnehmern zu Fuß.

Am 24. April 1883 stirbt John Russell. Mehr als tausend Trauergäste nehmen an seinem Begräbnis teil. An diesem Tag findet man seine alten Predigten und andere Papiere vom Wind hin- und hergeblasen im Hof des Anwesens. Von Russell selbst bleiben nur wenig schriftliche Zeugnisse erhalten. In seinem Nachruf werden seine Terrier nicht erwähnt.

Anmerkungen:

* Auf die Diskussion, welcher Name der korrekte für die Terrier des John Russell ist, wird hier nicht eingegangen. In Deutschland ist der Parson Russell Terrier derjenige, der vom JGHV anerkannt ist, während der Jack Russell eher mit dem kurzbeinigen "Reiterjackie", den die englischen Pferdepflegerinnen in den 70er Jahren nach Deutschland brachten, assoziiert wird. In England und Amerika ist der Jack Russell der urtümliche Jagdterrier, der, in der Tradition des alten Pfarrers, keiner Schönheitskonkurrenz unterliegt, während der Parson Russell dort der Schauhhund ist.


Hunde des Russell-Typs in einer zeitgenössischen Darstellung: John Emms (1844 bis 1912) "Acht Drahthaar-Foxterrier im Zwinger".
In alten Darstellungen findet man auch Terrier, die eindeutig dem Typ des Jack Russell entsprechen, als Foxterrier bezeichnet. Die Bezeichnung "Jack Russell Terrier" ist neueren Datums.

** Der Titel "Master of Hounds" bringt bis heute beträchtliches gesellschaftliches Prestige in England mit sich.

*** Eine englische "Public School" ist nicht, wie in Amerika, eine "öffentliche Schule", sondern eine elitäre Privatschule.

**** Noch heute eine der prestigeträchtigsten "Hunts" (etwa: "Jagdclub") in England.

***** In der Church of England ist ein vicar ein voll ausgebildeter und ordinierter Geistlicher. Im Deutschen ist ein Vikar noch nicht ordiniert.

****** Dieser Familie entstammt auch der Philosoph Lord Bertrand Russell. Pfarrer John war nicht mit ihr verwandt.


Greg Mousley, 32 Jagdsaisons lang Terrierman der Meynell Hunt,
Züchter von Russell-Terriern, hier etwa in den 70ern.
Edward VII. 1908 mit seinem Terrier Caesar, ganz klar vom Russell-Typ.