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Heute ist Unpopulärer-Meinungs-Bekenntnistag

Ich liebe Pferde, ich liebe das Militär und Uniformen und ich liebe Tschingderassabummtata!

Also habe ich drei Reitermärsche für meine Leser ausgegraben.

Schritt (Viertakt)


AM III, 72 or AM II, 213, Des Großen Kurfürsten Reitermarsch von Cuno Graf von Moltke, Arr. Reinhard Lehmann, Kaiser Wilhelm II gewidmet, 1893.
Ich könnte mir das den ganzen Tag anhören, es vetreibt alle schlechten Gefühle, besonders das Larghissimo con spirito e maestoso "Bummbummbumm-Dadadaa-Dadadaa-Dadadadadaa-Dadadadadadadadaadaadaaa...", da kommt selbst Panzerlied nicht mit.


Trab (Zweitakt)


HM III B, 42, Amboß-Polka von Albert Parlow.
Und nein, Ihr "Nazi"-Kreischer, die gezeigte Fahne ist die der Reichswehr von 1921-1933.
Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielt. Allerdings mag es inzwischen von unserer Verteidigungsministerette und tapferen Kämpferin gegen den Nazi-Ungeist für die Bundeswehr verboten worden sein. (Panzerlied jedenfalls WURDE verboten, so viel weiß ich.)
Ich erinnere mich an die Amboß-Polka besonders gern, weil ich sie zuerst während meiner Zeit an der Westfälischen Reit- und Fahrschule gehört habe, wo mir der Wert militärischer Disziplin - vor allem, aber nicht nur, im Umgang mit Pferden - beigebracht wurde. Wertvolle Erfahrungen auch und besonders für eine Frau.


Gallop (Dreitakt)


HM III B, 45 Galoppmarsch aus der Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé.
Und keine künstliche Nazi-Aufregung bitte, diese Fahne ist die des Reichswehrministers 1919-1933.
Möchte man da nicht gleich mitgallopieren?

(Gut, dass ich Videos mit schönen historischen Abbildungen gefunden habe, erspart mir - und Ihnen - den Anblick der peinlichen Bundeswehr-Uniformen.)

Das Grauen hinter der Schöhneit

Ich liebe die Malerei der Romantik. Selbstverständlich "unseren" Caspar David Friedrich, aber auch die englische Schule, vor allem John Constable und William Turner (William Blake ist mir zu mystisch, vulgo: gruselig). Ich liebe auch die englischen Präraffaeliten, auch wenn sie, wenn auch von ihr beeinflusst, nicht mehr der Romantik zuzurechnen sind.

Selbstportrait

Nun habe ich durch Zufall Ivan Aivazovski entdeckt, genau gesagt hier.
Ivan Aivazovski (1817-1900) war ein armenisch-russischer Maler der Romantik. Ein Großteil seines Werks widmete er der Marinemalerei, in der sich sein Genie unter anderem in der virtuosen Gestaltung von Licht und Schatten zeigte, wie z. B. Lichteffekte des Wassers oder des Mondlichtes, auch des Feuers, oft gefiltert durch Nebel oder das Sprühen der Wogen.

Aivazovskis Bilder entsprechen, wie die Friedrichs, und anders als die der englischen Landschaftsmaler, nicht den geläufigen Vorstellungen der romantischen Malerei als ästhetische Ausdruckskunst. Der Albtraum lauert überall.



Black Sea Fleet in the Bay of Feodosia just before the Crimean War

Fishing Boats in a Harbour

Gunboat off Crete

Moonpath

Peter The First to Light a Watch Fire

Pushkin at the Top of the Ai-Petri Mountain at Sunrise

Windmill

The Baptism of Armenians

Moonlit Seascape with Shipwreck

The Ninth Wave, said to be Aivazovski's most popular work.

Battle of Sinop

Dante Shows an Artist Some Unusual Clouds

Ca' d'Oro Palace in Venice by Moonlight

Battle of Navarino

Downpour in Sudak

Exploding Ship

Jesus Walks over Water

Lunar Night

Lunar Night at Spring

Misty Morning in Italy

Moonlit Night Near Yalta

Sailing off the Coast of Crimea in a Moonlit Night

Shipwreck

Stormy Sea

Tempest

Wave

Sunrise at Feodosia

Wrath of the Seas

View of the Lagoon of Venice

Calm Sea

Pushkin's Farewell to the Black Sea

View from Livadia

Landing at Subashi

Darial Gorge

Misty Morning
Und um es mit einem Paukenschlag zu beenden:

Battle of Cesme at Night

Ein allzu vergessener Künstler

Die erzgebirgische Volkskunst ist eine lebendige Tradition. Nahezu jeder Ort im Erzgebirge hat eine Schnitzstube, ein Museum oder einen Hersteller von Räuchermannerln, von Bergleuten in ihren traditionellen Uniformen, Weihnachtskrippen oder Nussknackern. Besonders die wunderschönen Weihnachtspyramiden sind weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus bekannt.


Gottfried Reichel (*31. Mai 1925 - 2. Oktober 2015) war ein Bildschnitzer aus dem Erzgebirge, der den Rahmen seiner heimischen Volkskunst sprengte.

Gottfried Reichel stammte aus dem Erzgebirgsdorf Pobershau, und lernte so schon als Kind die Schnitztradition seiner Heimat kennen. Seine Vorfahren waren Bergleute und Handwerker, er selbst war Autodidakt.

1943 meldete er sich freiwillig zur Bordfunkerausbildung an der Ostfront, doch als die im Spätsommer 1944 beendet war wurden Bordfunker nicht mehr gebraucht. Wiederum meldete er sich freiwillig, diesmal zu den Fallschirmjägern - auch die gab es nicht mehr. So wurde der junger Pobershauer einer anderen - wie man damals sagte - Eliteeinheit zugewiesen: Der Panzerdivision Totenkopf, einer Einheit der Waffen-SS. Im österreichischen Linz endete der Zweite Weltkrieg für ihn. Er kam in englische Kriegsgefangenschaft.

Von dieser Zeit sagt er heute: "Ich fand Menschen, die mich einließen und mit denen ich ins Gespräch kam. Die dabei gemachten Erfahrungen und Erlebnisse haben mein Leben völlig umgekrempelt. Es war eine Lektion in Menschlichkeit und Demokartie, die mich bis heute prägt." Diese Zeit konfrontierte Gottfried Reichel auch mit den Verbrechen der Nazis. Selbst stellte er sich immer wieder die Frage, "was wäre gewesen, wenn man mich statt zur Waffen-SS zur SS nach Auschwitz geschickt hätte."

Nach der Heimkehr 1948 wurde Gottfried Reichel "Neulehrer", aber er war den neuen Machthabern ideologisch nicht genehm. Bereits 1949 kam die fristlose Kündigung. In den folgenden Jahren bestritt er seinen Lebensunterhalt als Buchhalter.

In dieser Zeit der inneren Leere entdeckte er das Schnitzen für sich und entwickelte nach konventionellen Anfängen seinen ausdrucksstarken Stil, der an Ernst Barlach und Käthe Kollwitz erinnert.

Gottfried Reichel verkaufte seine Figuren nicht.

Weil er zu DDR-Zeiten unerwünscht war, blieb Reichel lange Zeit weitgehend unbeachtet. 1974 war die erste Ausstellung in der Dorfkirche Burkhardswalde bei Meißen, der 40 weitere Ausstellungen in evangelischen Kirchen folgten, nach der Wende auch in Rathäusern, Hotels und Museen, schließlich auch in den Niederlanden sowie in Nord- und Süddeutschland.

Biblische Themen hatte der Schnitzer erst zu Beginn der 50er Jahre aufgegriffen. Er übernahm die Leitung des Jungmännerkreises der evangelischen Kirchgemeinde. "In der gemeinsamen Bibelarbeit haben wir erfahren, dass das keine alten Geschichten sind. Wir fanden uns darin wieder." Aus der Beschäftigung heraus - dem "Hineinknien in die Schrift", wie Reichel sagte - entstanden die ersten biblischen Figuren.

Im Jahr 1997 wurde mit Unterstützung von EU-Mitteln eine dauerhafte Ausstellung für über 300 seiner Skulpturen in Pobershau errichtet. "Die Hütte" beherbergt heute sein Lebenswerk.


Um der Furcht vorzubeugen, dass das damals Geschehene niemand mehr wahrnehmen will, setzte sich Gottfried Reichel in seiner Kunst immer wieder mit dem Holocaust auseinander und setzte ihn neben biblische Themen, so bereits in den siebziger Jahren unter dem Thema "Deportation nach Babylon". Viele dieser Figuren erscheinen zeitlos, ganz vorn läuft ein Junge mit erhobenen Händen. Er wurde nach dem weltbekannten Originalfoto gestaltet. Die Bewacher sind deutschen Soldaten nachempfunden.

2003 wurden Figuren dieser Gruppe der Gedenkstätte Yad Vashem geschenkt.



In den Jahren 1995 bis 97 entstand dann die eindrucksvolle Figurengruppe "Menschen im Warschauer Ghetto" nach Fotografien des deutschen Soldaten Joe J. Heydecker, die dieser unter Lebensgefahr aufgenommen hatte. Jede einzelne Figur spiegelt ein ganz persönliches Schicksal wieder, keiner hatte eine Zukunft. Gottfried Reichel wurde gefragt, was er beim Schnitzen dieser Figuren empfunden habe: "Es war nicht einfach, jedes dieser Kinder hätte ja auch mein Kind sein können."







Ende des vergangenen Jahrtausends besuchte eine Gruppe aus Chemnitz stammender Juden Pobershau. Eine der Holocaust-Überlebenden meinte: "Man braucht den Figuren nur noch Atem einzuhauchen, dann leben sie."

Das Medium Gottfried Reichels war Lindenholz.

Der Tanz um das Goldene Kalb.
Schutzbedürftig.
Die Sünderin
Danach arrbeitete Reichel noch fast 15 Jahre. Dieses Spätwerk war als Wanderausstellung unter dem Titel "Biblische Geschichte in Holz" in Deutschland unterwegs und wurde in über 30 Orten gezeigt.

Zum Abschluss (ich lebe in Pobershau) ein paar grottenschlechte Aufnahmen aus meinem Billighandy (sie wären aber, um ehrlich zu sein, mit einer teuren Kamera aufgenommen kaum besser geworden).

Der verlorene Sohn.

Jeremiah.

Der gute Samariter.

Auf der Suche nach einer Herberge.
Im Oktober 2015 im Alter von 90 Jahren verstarb Gottfried Reichel. Sein Grab befindet sich in Marienberg.



Meine wichtigste Quelle: TAG DES HERRN, Artikel von 1999.

Informationen: "Die Hütte", Rathausstraße 10 in 09496 Pobershau, Tel. (0 37 35) 6 25 27.

Literaturhinweis: Joachim Schöne: "Dieses Holz lebt - Das Lebenswerk des Schnitzers Gottfried Reichel"; Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg, ISBN 3-931770-25-7; 34.90 Mark

Joe J. Heydecker: "Das Warschauer Ghetto"; Fotodokumente eines deutschen Soldaten aus dem Jahr 1941; DTV-Taschenbuchverlag, ISBN 3-423-30724-2; 16,90 Mark