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Heute ist Unpopulärer-Meinungs-Bekenntnistag

Ich liebe Pferde, ich liebe das Militär und Uniformen und ich liebe Tschingderassabummtata!

Also habe ich drei Reitermärsche für meine Leser ausgegraben.

Schritt (Viertakt)


AM III, 72 or AM II, 213, Des Großen Kurfürsten Reitermarsch von Cuno Graf von Moltke, Arr. Reinhard Lehmann, Kaiser Wilhelm II gewidmet, 1893.
Ich könnte mir das den ganzen Tag anhören, es vetreibt alle schlechten Gefühle, besonders das Larghissimo con spirito e maestoso "Bummbummbumm-Dadadaa-Dadadaa-Dadadadadaa-Dadadadadadadadaadaadaaa...", da kommt selbst Panzerlied nicht mit.


Trab (Zweitakt)


HM III B, 42, Amboß-Polka von Albert Parlow.
Und nein, Ihr "Nazi"-Kreischer, die gezeigte Fahne ist die der Reichswehr von 1921-1933.
Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielt. Allerdings mag es inzwischen von unserer Verteidigungsministerette und tapferen Kämpferin gegen den Nazi-Ungeist für die Bundeswehr verboten worden sein. (Panzerlied jedenfalls WURDE verboten, so viel weiß ich.)
Ich erinnere mich an die Amboß-Polka besonders gern, weil ich sie zuerst während meiner Zeit an der Westfälischen Reit- und Fahrschule gehört habe, wo mir der Wert militärischer Disziplin - vor allem, aber nicht nur, im Umgang mit Pferden - beigebracht wurde. Wertvolle Erfahrungen auch und besonders für eine Frau.


Gallop (Dreitakt)


HM III B, 45 Galoppmarsch aus der Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé.
Und keine künstliche Nazi-Aufregung bitte, diese Fahne ist die des Reichswehrministers 1919-1933.
Möchte man da nicht gleich mitgallopieren?

(Gut, dass ich Videos mit schönen historischen Abbildungen gefunden habe, erspart mir - und Ihnen - den Anblick der peinlichen Bundeswehr-Uniformen.)

Eine verborgene Perle Westfalens


Das Wasserschloss Senden liegt südlich von Münster/Westfalen zwischen der Stever, die teilweise ihre Gräfte speist, und dem Dortmund-Ems-Kanal.

Schloss Senden um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Das Herrenhaus wurde Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet, danach erfuhr das Schloss bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder An- und Umbauten. So repräsentiert es mit seinem Park heute unterschiedliche Stilepochen. Besonders erwähnenswert ist der Dreistaffelgiebel von 1499: er ist der älteste erhaltene Giebel dieser Art in Westfalen.

Der ursprüngliche Besitzer, die Familie Droste zu Senden, verkaufte das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis zum Jahrhundertwechsel wurde es auf verschiedenste Weise genutzt, zuletzt als Restaurant. Als dieses 1999 geschlossen wurde, schien das Schloss dem Verfall preisgegeben.

Im Jahre 2015 erwarb der Verein Schloss-Senden e.V. das Schloss und seitdem erwacht es zu neuem Leben. Es wird nun schrittweise saniert und bietet schon jetzt Raum für Veranstaltungen aus Kunst und Kultur.

Genauere Informationen erhalten Besucher bei den regelmäßig am zweiten Sonntag des Monats um 15 Uhr stattfindenden Führungen.

Luftbild (2014)


Ganz herzlicher Dank geht an Bettina Knust für die Informationen!

Der Webauftritt des Freundeskreis Schloss Senden e.V.

Der kleine Maulwurf und der Prinz - Ein Märchen


Es war einmal eine so grade noch junge Frau aus einem fremden Land, die für alles Gute in dieser Welt stand und so das Herz eines von ihrer Güte überwältigten stattlichen Prinzen eroberte

Ihre Güte war so zeitgeistkonform, dass sie sogar das harte Herz der bösen Königin zum Schmelzen brachte... Nun, es war nicht ganz so.

Hinter den Kulissen machte die Demnächst-Prinzessin bereits eine Menge Fehler, die die Skandalpresse veranlasste, sie mit dem schönen Spitznamen "Princess Pushy" zu belegen. "Pushy", liebe Nicht-Anglophone, heißt in diesem Zusammenhang so etwas wie "über-ehrgeizig und um jeden Preis auf sozialen Aufstieg bedacht".

Die Trump-Hasserin, die sich gerne in der Rolle einer "linken Aktivistin" sieht, war stinksauer, als ihr Prinz von ihr verlangte, einen Ehevertrag zu unterschreiben und bekam einen Wutanfall, als man sich auch noch weigerte, ihren Freund, Ex-Präsident Obama, zur Hochzeit einzuladen. Das wurde - es gibt noch Gerechtigkeit - mitgehört und der Presse zugespielt, und so etwas mag die böse Königin nicht, und was die alte Dame dann tat, kam für die Demnächst-Prinzessin durchaus unerwartet und daher als "brutale Überraschung".

SUN, ein Revolverblatt, das selbst unsere Hure der Cäsaren, BILD, noch als Ausbund journalistischer Ethik erscheinen lässt, berichtete: "Harry und seine Verlobte Meghan Markle haben ihrem Stab mitgeteilt, dass sie den früheren US-Präsidenten und seine Frau Michelle am 19. Mai an ihrem großen Tag dabeihaben wollen. Die Abneigung des jungen Paares gegenüber dem neuen Präsidenten ist wohlbekannt."

Nunja, nein. Eine Meinung des Prinzen über Präsident Trump ist NICHT bekannt. Es ist Gesetz, dass die Mitglieder des Königshauses in politischen Angelegenheiten strengste Neutralität zu wahren haben. Das entspricht ihrer uralten Rolle als bloße Repräsentationsfiguren und "Botschafter des guten Willens". (Inwieweit Pushy die Familie, in die sie einheiratet, hier in Verlegenheit bringen wird, ist Spekulation, aber mein Geld ist auf "oft". Diese Frauen können nicht anders.)

Es ist vielmehr die Abneigung der Demnächst-Prinzessin, die "wohlbekannt" ist, und man kann davon ausgehen, dass Pushy ihrem Prinzen mit jeder, aber auch JEDER, der zahllosen Unverzeihlichkeiten des derzeitigen Präsidenten in den Ohren gelegen hat. Wen sie allerdings damit nicht erreichen konnte, war die Person, die tatsächlich das Sagen hat - die Monarchin.

Es spricht einiges dafür, dass die hartherzige Königin, im Gegensatz zum Rest der Menschheit, nicht von dem Obamas bezaubert ist. Nile Gardiner, früherer Berater Margaret Thatchers und ein Freund der alten Dame, weiß, warum die Obamas nicht zu der königlichen Hochzeit eingeladen werden.

Was Gardiner mittelte, war, kurz, dass Barack Obama, der Ex-Präsident, England ablehnt und sich in seiner Amtszeit der Königin und ihren Volk gegenüber respektlos aufgeführt habe. Als Beispiel nannte Gardiner die Büste Winston Churchills, die von Obama an den Absender zurückging. Weitere Beispiele wären die DVDs, die der damalige Premier Gordon Brown als Gegengeschenk für einen Federhalter aus dem Holz der HMS Gannet erhalten hatte, oder der iPod mit seinen eigenen Reden für die Königin. Oder dass der damalige Präsident in Afrika gern lobend auf die Unabhängigkeitsbemühungen von England hingewiesen, aber nicht viel darüber zu sagen hatte, dass es größtenteils der Royal Navy zu verdanken war, dass der Sklavenhandel gestoppt wurde. Geschichtsvergessenheit in ihrer schönsten Form. Hauptsache, man kann sein Ressentiment abladen. Sie können nicht anders.

Sei es wie es wolle, Pushy kann so viel Schreikrämpfe, wie sie will, wegen ihres "linken Aktivismus" und ihrer Liebe zu den Obamas haben, und Harry kann in einem Interview nett zu Barack sein, aber die Königin kauft das nicht. Die Obamas werden nicht eingeladen. Akte geschlossen, so Gardiner.

Ich glaube übrigens nicht, dass der epische Protokollverstoß der Michelle O. damals - man grabscht Mitglieder des Königshauses nicht an - eine große Rolle für die Meinungsbildung der Königin über die Obamas gespielt hat. Die alte Dame ist schlecht erzogene Menschen gewohnt und hat darüber vermutlich nur ein mildes Lächeln verloren. SIE ist ja schließlich GUT erzogen. WAS allerdings interessant ist, ist, dass dieser Vorfall bei den üblichen Verdächtigen wenig Reaktionen - zumindest keine negativen - ausgelöst hat, wohingegen der Protokollverstoß von Präsident Trump, er hatte der angejahrten Gattin des jungen französichen Regierungschefs öffentlich freundlich-wohlwollend bescheinigt, dass sie "in great shape" sei, nun wirklich epische Reaktionen ausgelöst hatte - ungefähr so, als habe er den Holocaust geleugnet.

Aber ich schweife ab.

Die Königin geht vorsichtig vor. Keine Westminister Abbey oder St. Paul’s Cathedral für den kleinen Maulwurf. Die Monarchin hat nur eine zweitklassige Bude im Windsor Castle genehmigt. Auch muss die Demnächst-Prinzessin offiziell in der CoE getauft werden, religiösen und Unterricht in Dingen der Moral über sich ergehen und sich konfirmieren lassen, bevor sie Harry heiratet. Eine weitere "brutale Überraschung", die überhaupt nicht zu Pushys "linkem Aktivismus" passen will.

Ein Ehevertrag aber keine Obamas, keine Westminister Abbey oder St. Paul’s Cathedral, aber all' die religiösen Zumutungen. Es ist vielleicht doch eher ein Drama und kein Märchen.

Ich mag Harry. Was mich jedoch wundert, ist sein Hang zum Vulgären bei der Wahl seiner "armpieces", bislang unbekannt in der Familie. (Onkel Andrew lassen wir jetzt 'mal weg.) Und obwohl auch meine Abneigung gegen seine Mutter "wohlbekannt" ist, kann ich nur sagen, dass sie, bei all' ihren sonstigen Defiziten, eines nicht war - vulgär. Selbst dann nicht, als ihre Erscheinung lange von "English Rose" zu "hart wie Kruppstahl" gewechselt hatte.

Harrys einzige wirklich lange Beziehung, Chelsy Davy (allein der Vorname tut weh), kam zwar auch als, naja, nicht sehr fein 'rüber, aber immerhin ist sie heute Rechtsanwältin und keine viertklassige amerikanische Schauspielerin. Sein anderes etwas längeres Verhältnis war das mit der entzückenden Cressida Bonas (Bild rechts, mit Harry beim Glastonbury Festival), einer Aristokratin. Sie fühlte sich der ihr bevorstehenden Rolle nicht gewachsen, wissen doch Mädchen mit diesem familären Hintergrund, anders als Hollywood-Schlampen, die vermutlich meinen, dass die Königin mit ihrer Krone auf's Klo geht, wie es bei Königs zugeht.

Leider sind vor diesen Ausrutschern auch viele der besten Männer, und, wie man sieht, auch Prinzen, nicht gefeit. Ein Offizier und Gentleman, der in Afghanistan gedient hat, und der nun seine eigene Achtung und die seiner eminenten Familie wegen eines billigen Stücks Hintern auf's Spiel setzt. Erklär mir jemand Männer!

Warum hat die Königin es erlaubt? Hier kann man nur spekulieren. Vielleicht erinnert sie sich an die für alle Beteiligten tragische (in diesem Fall ist das Wort angebracht) Entscheidung, ihre Schwester vor die Wahl zu stellen, entweder in der Familie zu verbleiben oder Group Captain Peter Townsend zu heiraten. Vielleicht an die für alle katastrophal endende erste Ehe mit der "Königin der Herzen", die die Familie dem ältesten Sohn aufgezwungen hatte. Peter Townsend war geschieden, eine damals undenkbare Verbindung für eine Tochter und Schwester des weltlichen Oberhaupts der CoE. Camilla Shand, obwohl von aristokratischer Herkunft, hielt man wohl seinerzeit nicht ganz für "königliches Material".

Inzwischen hat einer ihrer Söhne und derjenige ihrer Enkel, der vielleicht einmal König von England sein wird, jeweils eine junge Frau aus der Mittelschicht und ihr ältester Sohn in zweiter Ehe seine damals nicht ganz passende Jugendliebe geheiratet - alle mit großem Erfolg. Auch das mag eine Rolle gespielt haben.

Vielleicht ist sie auch einfach nur zu alt und zu müde, um sich noch gegen die Zeitläufte wehren zu können.

Gott schütze die Königin!

John Russell, der jagende Pfarrer – Ein verrücktes Leben

John "Jack" Russell* wurde am 21 Dezember 1795 in Dartmouth, South Devon, als Sohn des Pfarrers John Russell und seiner Frau Nora Jewell geboren. Die Familie war in Devon seit dem 16. Jahrhundert ansässig. John der Vater, dessen Vater ebenfalls Pfarrer gewesen war, hatte wohlhabend geheiratet und John der Sohn eine unbeschwerte Kindheit.

John war eine eindrucksvolle und bekannte Persönlickeit in der Grafschaft Devon, und obwohl seine Gemeinde ihn verehrte, war er nicht einer derjenigen Geistlichen, denen es nur um das spirituelle Wohlergehen ihrer Schäfchen gegangen wäre. So lange er lebte, nahm Russell mindestens dreimal in der Woche an Fuchsjagden zu Pferde teil. Er hielt eigene Pferde und eine eigene Otterhund-Meute und durfte den distinguierten Titel** "Master of Otter Hounds" tragen.

Die Erziehung des Knaben John war typisch für die des Sohns eines anglikanischen Geistlichen im 19. Jahrhundert. Er besuchte Plympton Grammar School bis er 14 war, dann die Public School*** Blundell’s in Tiverton. Blundell’s School vertrat, bis heute nicht unüblich für Public Schools, eine spartanische Pädagogik. Die Schüler mussten um 7 Uhr morgens an ihren Tischen sitzen und es heißt, die Tinte in den Tintenfässern sei gefroren gewesen. Auf dem Lehrplan standen Lateinisch, Griechisch, die Naturwissenschaften und, für eine Extragebühr, Tanzstunden.

Die Meinung der Lehrer über den Pfarrerssohn war nicht ungeteilt positiv, hatte er doch zusammen mit einem Freund die Gelegenheit wahrgenommen, Kaninchen und Ratten mit den örtlichen Landwirten zu jagen. Foxhounds wurden angeschafft und Russell erwies sich als begabter Hundeausbilder. Allerdings wurden die beiden von einem Mitschüler "verpetzt". Der Freund musste die Schule verlassen, John kam mit Prügelstrafe davon. Was aus den Hunden wurde, ist nicht bekannt.

1814 immatrikulierte sich John am Exeter College in Oxford. Er verließ Oxford 1818 mit dem geringsten Abschluss, war er doch kein fleißiger Student gewesen und investierte, so heißt es, nur "minimal" in seine Studien.

John Russell zu Pferde mit seiner Meute und einem Terrier, James Loder (1784–1860).
Seine Interessen lagen woanders. Während seiner Studienzeit in Oxford entdeckte er seine Leidenschaft für Terrier. Er hatte mit den Foxhounds des Herzog von Beaufort**** und den Meuten von Bicester und Old Berkshire gejagt und dabei aufmerksam die Methoden der erfahrenen Masters of Hounds beobachtet.

In der Zeit des Jack Russell wurde "sport" gleichgesetzt mit Fuchsjagd zu Pferde, Jagen und Angeln - "Hunting, Shooting, Fishing" - und der junge Mann zeigte außergewöhnliches Talent beim Umgang mit Hunden und Pferden. Im 19. Jahrhundert kannte man noch keine eindeutig definierte Terrier"rassen", obwohl es schon Typunterschiede gab. In der Cynographia Britannica, erschienen um 1800, werden zwei Typen erwähnt: krummbeinige und solche mit graden Beinen. Ihre Farbe war meist schwarz mit braunen Abzeichen. Rote, braun-gelbe und gefleckte wurden ebenfalls erwähnt, Weiß war die von Jägern bevorzugte Farbe, da sie es leichter machte, Hund und Jagdbeute auseinanderzuhalten. Rute und Ohren waren kupiert. Ihr Temperament wurde beschrieben als "mürrisch, schlechtgelaunt, reizbar und aufmerksam", aber auch als "tapfer und intelligent".

Die legendäre "Trump". Das Bild wurde vom Fürsten von Wales in Auftrag gegeben, rund 40 Jahre nach dem Tod der Hündin. Es hängt heute noch in der Sattelkammer von Sandringham.
So muss der junge John Russell auch seine legendäre weiße Hündin "Trump" gefunden haben, denn er soll sie, ohne dass er sie je hätte jagen sehen, einem Milchverkäufer nahe Oxford vom Wagen weggekauft haben.

Dieser eher lässige Umgang beim Kaufen und Verkaufen von Hunden scheint typisch für ihn gewesen zu sein. Seine finanziellen Umstände zwangen ihn, seine Meutehunde mehrere Male zu verkaufen und dass er von Trump ausgehend eine Linie durchgezüchteter Terrier entwickelt hätte, ist ins Reich der Fabel zu verweisen. Tatsächlich kaufte er Hunde, die ihm gefielen, behielt sie, wenn sie gut arbeiteten und gab sie weiter, falls nötig. Geldsorgen überschatteten sein Leben immer.

Vater Russell gefiel das Benehmen seines Sohnes nicht. Er sorgte dafür, dass der junge John von der Straße weg kam und 1820 wurde der 27jährige vom Bischof von Exeter zum Priester geweiht.

Das Leben eines anglikanischen Landpfarrers im 19. Jahrhundert war nicht unbedingt arbeitsintensiv. Sein Tagebuch erwähnt immer wieder, dass er in der einen Tageshälfte Gottesdienste, Hochzeiten und Begräbnisse zelebrierte und in der anderen dem Fuchs zu Pferde nachstellte. Seine Vorgesetzten fragten sich daher auch, wie er die Energie dazu aufbringe, ganz zu schweigen von seinem lebhaften Handel mit Hunden und Pferden und seiner Leidenschaft für "Hunting Parties" nach der Jagd. Von Zeit zu Zeit wurde die Frage auch öffentlich gestellt, die Lokalpresse nannte ihn den "nutzlosen Pfarrer Jack Russell", aber das tat seiner Popularität keinen Abbruch, im Gegenteil. Die meisten seiner Gemeindemitglieder liebten ihn.

1826 heiratete Russell die 26jährige Penelope Incledon Bury, eine Admiralstochter aus einer alten Devonshire-Familie, deren Mutter nicht begeistert über die Wahl ihrer Tochter gewesen sein soll. Und obwohl die Ehe fast 49 Jahre dauerte, meinte ein Biograph, dass es offensichtlich gewesen sei, dass seine Frau niemals zwischen ihn und seinen Lieblingssport geraten sei. Zwei Jahre nach der Heirat hatte Russell bereits einen beträchtlichen Teil von Penelopes Vermögen ausgegeben.

1832 zieht der Pfarrer mit seiner Familie nach Swimbridge, Devon, wo er 40 Jahre lang Vikar***** an der St James Church bleiben wird.

Es ist bemerkenswert, dass die Rasse, die seinen Namen unsterblich gemacht hat, eine relativ geringe Rolle in seinem Leben spielte. Obwohl er 1873 einer der Gründer des Kennel Club war, hatte er kein Interesse an Schauen. Was er brauchte waren gute Arbeitshunde, wie sie aussahen spielte keine Rolle für ihn, und obwohl er für den Rest seines Lebens Mitglied des Kennel Club blieb, hat er nie seine eigenen Hunde ausgestellt. Ihm wird das Zitat "A dog with one short leg and three long ones is no eyesore - as long as it can work properly" – "Ein Hund mit einem kurzen Bein und drei langen tut dem Auge nicht weh - solange er ordentlich arbeitet" zugeschrieben.

"Jocko with a Hedgehog" von Sir Edwin Henry Landseer (1802 bis 1873) und eine Terrierhündin des Russell-Typs im Besitz der Autorin. Der Typ hat sich bis heute treu erhalten.
Ein Terrierman der Bicester Hunt, mit der auch John Russell gejagt hat. Das Foto stammt schätzungsweise aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Der Terrier des Jack Russell passte perfekt zu der Landschaft, der er entstammte, das rauhe, hügelige Gelände des "West Country". Diese Terrier konnten mit den schnellen Foxhounds mithalten, hatten eine Riesen-Ausdauer und waren intelligent. Ein verletzter oder müder Terrier wurde von Russell vor sich auf den Sattel genommen, in jeder anderer Hinsicht war er unnachgiebig. Von einem Hund, der nicht seinen Erwartungen entsprach, trennte er sich ohne Mitleid. Obwohl viele Jäger diese Terrier bei der Jagd auf Ratten oder Kaninchen einsetzten, tat Russell dies nur bei der Fuchsjagd. Der Pfarrer legte Wert darauf, dass seine Hunde den Fuchs nicht unter der Erde töteten oder ernsthaft verletzten, sondern ihn nur aus dem Bau sprengten, damit er über der Erde weiter gejagt werden konnte.

Der Fürst von Wales, später König Edward VII, lernt ihn 1873 kennen und lädt ihn ein zu einem Ball in Sandringham House. Jack tanzt bis 4 Uhr morgens und wird zur Weihnachtswoche erneut eingeladen. Der alte Schwerenöter charmiert Prinzessin Alexandra und tanzt hinein in das neue Jahr 1874 mit ihr.

Penelope Russell starb 1875 und sofort war John wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Reiche Freunde unterstützten und feierten ihn anlässlich einer riesigen Party im Landhaus des Herzogs von Bedford, auch ein Russell,****** enthusiastisch.

John Russell in einer zeitgenössischen Karikatur.
1879 gehen der Fürst von Wales und John Russell gemeinsam auf Hirschjagd mit 2000 berittenen und 9000 Teilnehmern zu Fuß.

Am 24. April 1883 stirbt John Russell. Mehr als tausend Trauergäste nehmen an seinem Begräbnis teil. An diesem Tag findet man seine alten Predigten und andere Papiere vom Wind hin- und hergeblasen im Hof des Anwesens. Von Russell selbst bleiben nur wenig schriftliche Zeugnisse erhalten. In seinem Nachruf werden seine Terrier nicht erwähnt.

Anmerkungen:

* Auf die Diskussion, welcher Name der korrekte für die Terrier des John Russell ist, wird hier nicht eingegangen. In Deutschland ist der Parson Russell Terrier derjenige, der vom JGHV anerkannt ist, während der Jack Russell eher mit dem kurzbeinigen "Reiterjackie", den die englischen Pferdepflegerinnen in den 70er Jahren nach Deutschland brachten, assoziiert wird. In England und Amerika ist der Jack Russell der urtümliche Jagdterrier, der, in der Tradition des alten Pfarrers, keiner Schönheitskonkurrenz unterliegt, während der Parson Russell dort der Schauhhund ist.


Hunde des Russell-Typs in einer zeitgenössischen Darstellung: John Emms (1844 bis 1912) "Acht Drahthaar-Foxterrier im Zwinger".
In alten Darstellungen findet man auch Terrier, die eindeutig dem Typ des Jack Russell entsprechen, als Foxterrier bezeichnet. Die Bezeichnung "Jack Russell Terrier" ist neueren Datums.

** Der Titel "Master of Hounds" bringt bis heute beträchtliches gesellschaftliches Prestige in England mit sich.

*** Eine englische "Public School" ist nicht, wie in Amerika, eine "öffentliche Schule", sondern eine elitäre Privatschule.

**** Noch heute eine der prestigeträchtigsten "Hunts" (etwa: "Jagdclub") in England.

***** In der Church of England ist ein vicar ein voll ausgebildeter und ordinierter Geistlicher. Im Deutschen ist ein Vikar noch nicht ordiniert.

****** Dieser Familie entstammt auch der Philosoph Lord Bertrand Russell. Pfarrer John war nicht mit ihr verwandt.


Greg Mousley, 32 Jagdsaisons lang Terrierman der Meynell Hunt,
Züchter von Russell-Terriern, hier etwa in den 70ern.
Edward VII. 1908 mit seinem Terrier Caesar, ganz klar vom Russell-Typ.

Brot, Sex und Spiele für den Pöbel

Jetzt ziehen sie also auch eine der ganz wenigen NUR schönen und NUR liebenswerten Ikonen der deutschen Trivialkultur in den Dreck. Sie können nicht anders.

Schreibt die WELT:
Fans der alten „Sissi“-Trilogie müssen tapfer sein. In der Hochzeitsnacht ziehen sich die Kaiserin von Österreich und ihr Franzl in ihr Gemach zurück, ihre Mütter nehmen im Vorzimmer Platz. Das ist so üblich, oder, um im Jargon zu bleiben, das ist Etikett'.

Doch die Frischvermählten fühlen sich nicht wohl dabei. Also fassen sie sich bei der Hand, verlassen – zum Entsetzen der Muttis – das Zimmer, treten in den Garten. Und lieben sich unter freiem Himmel. Wilder Sex im Schlosspark – toll trieben es die alten Habsburger.
Wie ungemein unkonventionell!

Geht das denn zumindest mit verbesserter historischer Information einher? Kaum. Aber "emanzipiert" musste schon sein. Tatsächlich war Elisabeth, wie so viele Bulimikerinnen, eine rücksichtslose Egomanin, die nur für ihre Schönheit lebte und froh war, als eine Andere ihr endlich die lästigen ehelichen Pflichten abnahm, die hätten nämlich ihre Frisur durcheinandergebracht. Aber "emanzipiert" kommt eben auch bei der letzten Dorftusse, die gerne eine Prinzessin wäre, immer gut an. Erinnert sich noch jemand an die missratene und auch ungemein "emanzipierte", Königin der Herzen? Mindestens 75% ihrer Popularität war der Tatsache zu verdanken, dass die "Frau mit Herz"-Leserinnen eine schamlose nicht von einer emanzipierten Frau unterscheiden kann. Und bestimmt hat diese "Sisi" auch Kröten über die Straßen geleitet und ihren Müll getrennt, schließlich war sie Deutsche.

Es bleibt die Frage, will man, und damit meine ich unsere, die Sissi-Generation, wirklich die Romanze dieses überreifen Konfirmanden und seines Mauerblümchens sehen?



Sind wir wirklich sexuell derart bedürftig geworden, dass uns Sexszenen mit Leuten, die man, nur hübscher, in jeder Kneipe zwischen Tirschenreuth und Westerstede treffen kann, TATSÄCHLICH interessieren?



WAS qualifiziert dieses, höflich gesagt, knappe Durchschnittsgesicht, eine schöne Frau wie die Kaiserin Elisabeth darzustellen? Und WAS will sie uns hier sagen? Ist das der Ausdruck für "seelenvoll" oder "trotzig"? Ach, irgendwie will ich es garnicht wissen.



Wie oft hat man sich geärgert, dass historische Persönlichkeiten im Film glamourifiziert wurden, und wenn es ausnahmweise einmal eine WIRKLICH schöne Frau darzustellen gilt, besetzt man ihre Rolle mit einem Trampel! Was haben die Filmemacher sich dabei GEDACHT? DENKEN sie überhaupt? HABEN sie ein Gehirn?



Konnte man nicht warten, bis die Letzten, die sich an diesen beiden schönen jungen Menschen erfreut haben, tot sind, statt uns mit derivativem Müll zu beleidigen? Niemand, der einmal in das liebreizende Gesicht der jungen Romy Schneider geschaut hat, wird je wieder seinen Standard nach unten schrauben wollen. Hollywood? Verglichen mit ihr war "Liz" Taylor eine vulgäre, dicke Vettel und Grace Kelly eine langweilige Ming-Vase - schön aber hohl.



Kitschig? Aber sicher, und das ist auch gut so!

Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass es, nachdem ein Gott wie Walther Reyer den Grafen Andrassy dargestellt hatte ...



... ja es ist wirklich nicht zu fassen ...



... es nun auch ein ...



... Eintänzer aus der Fischbratküche tut.

Und in der Tat, er tut es ja auch. Und dazu auch noch unrasiert.

Nichts entlarvt die Arroganz, Verderbtheit und Hoffnungslosigkeit der verkommenen Eliten mehr, als dann, wenn sie dem dummen Pöbel "Unterhaltung" mundgerecht aufbereitet präsentieren. Es könnte ja irgendwo, irgendwann irgendjemand Freude an etwas einfach und wirklich Schönem haben, und das darf nicht sein.

(Eintrag vom Januar 2010.)

Sowas kommt von sowas!

Da heiratet dieses schöne, aparte Mädchen einen Eintänzer aus der Fischbratküche, und schon passt sie sich ihm an - unter dem Beifall der Schmierenjournaille, selbstverständlich.
Schwarze Ankle-Boots, Nietentasche und knappes weißes Minikleid - so einen Look ist man von Schauspielern und Popstars gewohnt - aber nicht unbedingt von künftigen Königinnen. Umso besser, dass sich endlich eine Blaublüterin traut, aus dem konservativen Modekorsett auszubrechen.
Klar, die Unterschicht könnte ja sonst irgendwann und irgendwo doch einen Hauch von Geschmack aufschnappen, und DAS darf nicht sein.

Das kommt davon, wenn Monarchen pflichtvergessen handeln. Bürgerliche Heiraten haben IMMER zum Niedergang einer Familie geführt. WAS oder WEN wird, nach dem Fräulein Sommerlath und dem Fitnesstrainer, wohl die nächste Generation des Parvenü-Hauses Bernadotte - zweifellos unter dem frenetischen Beifall der Lumpenpresse - heiraten?

Liebe Spießer in Publikum und Medien: Monarch zu sein ist ein anspruchsvoller Beruf und ein Mitglied einer königlichen Familie ist KEIN "Prommi".