Ein anderer Lifestyle-Aspekt

An dieser Stelle möchte ich meine Leser auf ein weiteres Blog aufmerksam machen.


Zweisprachig und in mehrerer Hinsicht "bissig".

When SJW meets Halbbildung

9 Jahre alter Oldie but Goldie:

Jemand, der Matthias heißt und es daher besser wissen sollte, erklärt uns in der WELT, dass Allgemeinverprollung der Preis der Freiheit sei. Die unsäglichen Namen, mit denen die Kinder des Prekariats für's Leben gezeichnet werden, sind nicht etwa doof und prätentiös, sondern tatsächlich irgendwie kosmopolitisch und liberaliberaliberallala.
Verwundert reibt sich das Land die Augen und bemerkt: Es gibt hier eben doch auch die "feinen Unterschiede", die durch den Soziologen Pierre Bourdieu sprichwörtlich geworden sind. Klassenzugehörigkeit verrät sich auch bei uns nicht nur durch Einkommen und Wohnort. Lange glaubte man ja, solche unsichtbaren Gräben wären eher typisch für England ...
Tja, guter Versuch, aber das sind sie, was Vornamen anbelangt, erst, seit sich die Deutschen entschlossen haben, traditionelle und klassenübergreifende Namen durch würdelose, lächerliche und prätentiöse originelle und kosmopolitische abzulösen. Meine Onkel, alle Anfang des vergangenen Jahrhunderts geboren, hießen Heinrich, Ludwig, Paul, Wilhelm und Karl, die Großväter Karl und Heinrich, meine Tanten Charlotte, Helene und Gertrud, meine Mutter Margarethe. Diese Namen lassen keinerlei Rückschluss auf die Gesellschaftsschicht zu, die Männernamen (außer Ludwig) lassen sich allerdings im norddeutsch-preußisch-protestantischen Milieu "verorten".
In Zwangsgesellschaften gibt es dagegen oft ein kleines Vornamenreservoir: In Europa hießen Kinder früher meist entweder nach der herrschenden Adelsdynastie (weswegen der heute deutschlandweit beliebte Maximilian vor allem im Bayern der Wittelsbacher verbreitet war), oder sie hatten religiös geprägte Namen. In den meisten muslimischen Ländern ist das heute noch so. Während in Deutschland laut der Forscherin Astrid Kaiser die Zahl der Vornamen seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunimmt. Cheyenne und Justin sind Herolde der Liberalität.
Matthias, dessen Eltern mehr Stilgefühl bewiesen haben, als ihr Sohn Verstand hat, will uns also allen Ernstes weismachen, dass "ein kleines Vornamenreservoir" eine schlechte Sache sei. Kinder wurden übrigens nicht zwangsweise nach dem relevanten Monarchen benannt (Kinder wurden nicht einmal zwischen 1933 und 1945 zwangsweise nach dem geliebten Führer benannt, das taten die Eltern freiwillig), Kinder aller Gesellschaftsschichten, von denen des Monarchen bis hin zu denen des Landarbeiters, wurden eben gleich genannt und zwar nach klassenübergreifenden ethnischen Leitbildern, z.B. auch Heiligen.
Auch die Namen enthüllen noch viel mehr als nur Armut und Reichtum der Eltern. Wer auf einem Zeitungsfoto aus Afghanistan drei Bundeswehrsoldaten mit den Vornamen Mario, Silvio und Henry erblickt, weiß sofort, dass diese aus den neuen Bundesländern stammen.
*Gähn* - Ja, das ist wohl so. Aber was beweist das? Trotz allem enthüllen auch diese Namen VOR ALLEM EBEN den sozialen Status der Eltern. Wer in der "Ehemaligen" wirklich etwas auf sich hält, nennt auch dort seine Kinder nicht Doreen, Mandy, Sindy, Maik, Stiev oder Enrico. Da die Allgemeinverprollung, eine der Segnungen des Arbeiter- und Bauernstaates seligen Angedenkens, auch vor den gebildeteren Ständen nicht halt gemacht hat, gibt es dort zwar mehr dieser Namensmonstren, aber es gibt auch Leute, die Alexander, Jörg oder Katharina heißen, weil sich ihre Eltern trotz aller Widrigkeiten Stil, Unterscheidungsvermögen und Geschmack bewahrt haben.

Aber Moment! Irgendwie MUSS doch nachzuweisen sein, dass Namen schon immer was mit pösem Klassendenken zu tun hatten:
Über Thomas Mann hieß es, er sei ein wahrer "Namenszauberer" gewesen. Er wusste natürlich, dass es schon im 19. Jahrhundert klassenspezifische Namen gab. Das wird sehr deutlich bei der Schilderung der Lübecker 1848er-Revolution in "Buddenbrooks", wo Johann Buddenbrook in Begleitung von Leberecht Kröger dem Wortführer der rebellischen "Canaille" entgegentritt. Dieser heißt Corl Smolt, und sein Name (die niederdeutsche Form von Karl plus das niederdeutsche Wort für Schmalz) verrät ihn eindeutig als Angehörigen der Lübecker Unterschicht. Ein Kevin seiner Zeit. Während Leberecht Kröger ganz klar der Name eines Senators mit pietistischem Hintergrund ist.
Den Namen Leberecht haben mit Sicherheit pietistische Eltern aller Gesellschaftsschichten ihren Kindern gegeben, Corl Smolt ist eben Mannsche Lautmalerei die nix beweist (im Kirchenbuch wird der Mann Karl geheißen haben), und wenn "Smolt", Schmalz, ein Hinweis auf eine Herkunft aus der Unterschicht sein soll, dann würde mich mal interessieren, wie das die Mitglieder der adligen Familie Kortzfleisch denn so sehen.

Aber Matthias kann auch anders:
Cheyenne und Justin sind Herolde der Liberalität.

Und wenn sie in der Schule schlechter behandelt werden als Sarah oder Jakob, ist das ja auch eine Art ausgleichende historische Gerechtigkeit. Es gab mal eine Zeit, in der gerade Träger dieser Namen in Deutschland überhaupt keine Bildungschancen hatten.
Klar, haben die Gören nicht anders verdient. Ihr Urgroßvater war ja sicher Nazi. Womit die Grenze vom Dämlichen zum Geisteskranken überschritten wäre, und daher höre ich jetzt auf.

Sprachverwahrlosung und Manieren

Ich habe neulich auf Twitter schwer Anstoß erregt. Warum? Weil ich, wenn mich dort jemand duzt, den Spruch parat habe, dass ich mich nicht erinnern könne, dass man schon gemeinsam Schweine gehütet hätte. Das bringt die Leute völlig um ihr Bisschen Restverstand. (Ich muss dazu sagen, dass ich das nicht mache, wenn jemand ansonsten höflich ist, dann sieze ich nur zurück.) Dann kommt IMMER die Antwort, dass Siezen etwas mit Respekt zu tun habe und dass man mir den verweigere (schließlich bin ich ja anderer Meinung).

Nein, Siezen hat nichts mit Respekt zu tun. Es hat etwas mit MANIEREN zu tun und die wendet man jedem gegenüber und immer an, Respekt oder nicht. Ich bezweifle, dass Ludwig XVI und Marie Antoinette auf dem Schaffott ihre Henker respektiert haben.

Das ist selbstverständlich zu hoch für diese, naja, Klientel, hat aber den wunderbaren zusätzlichen Nebeneffekt, dass man diese Leute mit dem Kniff, auch unter heftigstem verbalen Unterschichtenbeschuss scheißfreundlich zu bleiben, die Wand hochtreiben kann, vor allem, wenn man seine Antworten mit "Gute Frau..." (es sind übrigens tatsächlich meistens Frauen, die sich über mich aufregen) beginnt.

Ich bin aber auch der Ansicht, dass unsere schöne deutsche Sprache es nicht verdient, dieses wunderbaren Stilmittels beraubt zu werden. Wie kann man schließlich besser sein Missfallen ausdrücken und gleichzeitig höflich bleiben, als durch Entzug des "Du".

Was uns zu Onlinehändlern bringt. Auch dort wird zunehmend geduzt. (In diesem Zusammenhang Hut ab vor DEICHMANN. Die setzen nicht voraus, dass Leute, die billige Schuhe kaufen, auch Prolls sind.) Leider praktiziert mein für mich wegen seines guten Preis-Leistungsverhältnisses unverzichtbarer Klamottenprovider (How's THAT for Sprachverwahrlosung?) auch diese Unsitte, was ich um so weniger verstehe, da er Größen bis in Landwal-Dimensionen anbietet und schließlich sind es zwar auch, aber eher weniger, Teenager, die so fett sind.

IKEA habe ich deswegen schon beleidigende Notizen in ihren Briefkästen hinterlassen, auch Manieren haben ihre Grenzen.

Das war's!

Heute ist Unpopulärer-Meinungs-Bekenntnistag

Ich liebe Pferde, ich liebe das Militär und Uniformen und ich liebe Tschingderassabummtata!

Also habe ich drei Reitermärsche für meine Leser ausgegraben.

Schritt (Viertakt)


AM III, 72 or AM II, 213, Des Großen Kurfürsten Reitermarsch von Cuno Graf von Moltke, Arr. Reinhard Lehmann, Kaiser Wilhelm II gewidmet, 1893.
Ich könnte mir das den ganzen Tag anhören, es vetreibt alle schlechten Gefühle, besonders das Larghissimo con spirito e maestoso "Bummbummbumm-Dadadaa-Dadadaa-Dadadadadaa-Dadadadadadadadaadaadaaa...", da kommt selbst Panzerlied nicht mit.


Trab (Zweitakt)


HM III B, 42, Amboß-Polka von Albert Parlow.
Und nein, Ihr "Nazi"-Kreischer, die gezeigte Fahne ist die der Reichswehr von 1921-1933.
Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielt. Allerdings mag es inzwischen von unserer Verteidigungsministerette und tapferen Kämpferin gegen den Nazi-Ungeist für die Bundeswehr verboten worden sein. (Panzerlied jedenfalls WURDE verboten, so viel weiß ich.)
Ich erinnere mich an die Amboß-Polka besonders gern, weil ich sie zuerst während meiner Zeit an der Westfälischen Reit- und Fahrschule gehört habe, wo mir der Wert militärischer Disziplin - vor allem, aber nicht nur, im Umgang mit Pferden - beigebracht wurde. Wertvolle Erfahrungen auch und besonders für eine Frau.


Gallop (Dreitakt)


HM III B, 45 Galoppmarsch aus der Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé.
Und keine künstliche Nazi-Aufregung bitte, diese Fahne ist die des Reichswehrministers 1919-1933.
Möchte man da nicht gleich mitgallopieren?

(Gut, dass ich Videos mit schönen historischen Abbildungen gefunden habe, erspart mir - und Ihnen - den Anblick der peinlichen Bundeswehr-Uniformen.)

Das Grauen hinter der Schöhneit

Ich liebe die Malerei der Romantik. Selbstverständlich "unseren" Caspar David Friedrich, aber auch die englische Schule, vor allem John Constable und William Turner (William Blake ist mir zu mystisch, vulgo: gruselig). Ich liebe auch die englischen Präraffaeliten, auch wenn sie, wenn auch von ihr beeinflusst, nicht mehr der Romantik zuzurechnen sind.

Selbstportrait

Nun habe ich durch Zufall Ivan Aivazovski entdeckt, genau gesagt hier.
Ivan Aivazovski (1817-1900) war ein armenisch-russischer Maler der Romantik. Ein Großteil seines Werks widmete er der Marinemalerei, in der sich sein Genie unter anderem in der virtuosen Gestaltung von Licht und Schatten zeigte, wie z. B. Lichteffekte des Wassers oder des Mondlichtes, auch des Feuers, oft gefiltert durch Nebel oder das Sprühen der Wogen.

Aivazovskis Bilder entsprechen, wie die Friedrichs, und anders als die der englischen Landschaftsmaler, nicht den geläufigen Vorstellungen der romantischen Malerei als ästhetische Ausdruckskunst. Der Albtraum lauert überall.



Black Sea Fleet in the Bay of Feodosia just before the Crimean War

Fishing Boats in a Harbour

Gunboat off Crete

Moonpath

Peter The First to Light a Watch Fire

Pushkin at the Top of the Ai-Petri Mountain at Sunrise

Windmill

The Baptism of Armenians

Moonlit Seascape with Shipwreck

The Ninth Wave, said to be Aivazovski's most popular work.

Battle of Sinop

Dante Shows an Artist Some Unusual Clouds

Ca' d'Oro Palace in Venice by Moonlight

Battle of Navarino

Downpour in Sudak

Exploding Ship

Jesus Walks over Water

Lunar Night

Lunar Night at Spring

Misty Morning in Italy

Moonlit Night Near Yalta

Sailing off the Coast of Crimea in a Moonlit Night

Shipwreck

Stormy Sea

Tempest

Wave

Sunrise at Feodosia

Wrath of the Seas

View of the Lagoon of Venice

Calm Sea

Pushkin's Farewell to the Black Sea

View from Livadia

Landing at Subashi

Darial Gorge

Misty Morning
Und um es mit einem Paukenschlag zu beenden:

Battle of Cesme at Night

Ein gesegnetes Weihnachtsfest...

...für all' unsere Leser von meinem Co-Autor im englischen Blog und von mir.
Nora die Editrix