Liebe bis in den eiskalten Tod

Ein von mir geschätzter katholischer Publizist thematisierte vor einiger Zeit auf seiner Seite, dass Fernsehserien seit Langem eines der wichtigsten Instrumente des ideologischen Kampfes gegen Ehe und Familie seien. Das ist richtig. Aber "seit Langem" ist nicht lange genug.

Kulturelle Referenzen auf diesen Niedergang tauchen schon auf, weit bevor das Fernsehen seine heutige Bedeutung erlangt hatte und sind immer ein Indikator für das, was dann viel später als drängendes gesellschaftliches Problem wahrgenommen wird.

Case in point: Eine, im Übrigen gut gemachte, "Titanic"-Verfilmung von 1953(!), die mich nachgerade geschockt zurückließ.

Der Nebenhandlungsstrang dreht sich um die Eheprobleme eines Passagierpaars. In Wut offenbart die Protagonistin, dass ihr vom Ehemann tief geliebter Sohn nicht sein biologischer Sohn, sondern die Frucht eines, wie man heute sagen würde, "one night stands" ist, zu dem sie sich veranlasst sah, weil ihr Mann ihr nicht - ja wirklich! - GENUG KOMPLIMENTE GEMACHT HATTE. Der dramaturgische Aufbau des Films lässt in keiner Weise Missbilligung für den Akt an sich, noch für das dem Mann gegenüber ebenso grausame wie unnötige Mitteilungsbedürfnis erkennen - im Gegenteil. Am Schluss gehen Vater und Sohn, wie es sich gehört, mit dem Schiff unter, während Mutter und Tochter wohlfrisiert im Rettungsboot sitzen.

Das mag der Filmästhetik der Fünfziger Jahre geschuldet sein, aber es ist ein Indiz für eine Grundhaltung. 

Und wir wundern uns heute über eine Abomination wie den Feminismus.

Es ist, trotz allem, die beste Titanic-Verfilmung von den drei oder vier, die ich kenne, gute Besetzung, spannender Handlungsaufbau. Der kurze Clip vom Filmende zeigt durchaus ergreifend die Angst und Hoffnungslosigkeit in den Gesichtern der jungen und alten Männer, die offenbar werdende Qual des schlechten Gewissens im Antlitz des Kapitäns in seinen letzten Momenten. Auch die zeitgeschichtlichen Referenzen sind interessant, selbstverständlich die der Klassenunterschiede, allerdings auch eher bizarre, wie die der selbstgerechten Gattin, die ihr Töchterchen im "sauberen" Amerika und nicht im Sumpf der europäischen Oberschicht aufwachsen sehen möchte. Je nach Geschmack erheiternd oder verärgernd.

Auf YouTube steht der ganze Film, er lohnt sich.

P.S. Wenn in dieser erschütternden Schluss-Szene auch Frauen zu sehen sind, waren das Krankenschwestern und Mrs. Ida Straus, die, das ist historisch akkurat, freiwillig bei ihrem Mann geblieben ist. Die Szenen des Schicksals von Ida und Isidor Straus wurden übrigens aus James Camerons Titanic-Verfilmung von 1997 herausgeschnitten.

832 Passagiere gingen mit der Titanic unter, 63 Prozent.
39 Prozent waren Passagiere der 1. Klasse.
58 Prozent waren Passagiere der Standard-Klasse.
76 Prozent waren Passagiere der 3. Klasse.
80 Prozent der männnlichen Passagiere gingen mit der Titanic unter, 25 Prozent der Frauen.

Die Männer in der 1. Klasse hatten eine Ein-Drittel-Chance zu überleben, verglichen mit den Frauen, selbst mit denen aus der 3. Klasse, kamen sie schlecht weg. Viele der Männer der 1. Klasse, die die Rettungsboote auf der Steuerbordseite hätten benutzen können, zogen es vor, zurückzubleiben.